Das Gebäude selbst ist Exponat und Ort der Ausstellung zugleich. An markanten
architektonischen Situationen des Hauses machen Interventionen auf die Besonderheiten
des Raumes aufmerksam und dienen zugleich als Ausstellungsträger.
Hauptausstellungsfläche ist die ehemalige Tischlerwerkstatt, deren historische Ausstattung
nachempfunden wurde. Ein Gang durch das Haus verbindet damit die in der Ausstellung
präsentierten Objekte – Fotos, Pläne, Zeichnungen und Möbel – mit dem Erlebnis einer
Architektur, die zum Teil selbst schon Ausstellungscharakter hat: „Schau-Fenster“, „Geh-
Wege“, „Wand-Bilder“ und die sichtbare Konstruktion charakterisieren die transparente
Erlebnisarchitektur des Bauhausgebäudes.
Die gesamte Szenografie der Ausstellung basiert auf einer imaginären Verdopplung des
Gebäudes, die durch die Interventionen im Gebäude angedeutet wird. In einem leichten
Winkel zum Original gedreht, setzt dieses „Duplikat“ die Ausstellung zugleich in eine gewisse
Distanz zum baulichen Original und damit zur imaginären „Ikone der Moderne“– dem
eigentlichen Gegenstand der Ausstellung. Zudem steht der schwarz-weiße Anstrich der
Ausstellungsarchitekturen im Kontrast zur Farbigkeit des Gebäudes.
Der Focus der in der ehemaligen Tischlerwerkstatt ausgestellten Objekte liegt auf den vier
Schwerpunkten: „Erinnerung“, „Architektur“, „Sanierung“ und „Erlebnis“.
Erinnerung: Von Beginn an gab das Bauhausgebäude Anlass zu Diskussionen. Die
Fortschrittsbegeisterten feierten es als Avantgarde des 20. Jahrhunderts, die Konservativen
kritisierten es als „undeutschen Stil“ oder „technokratische Moderne“. Auf Betreiben der
Nationalsozialisten wurde das „undeutsche“ Bauhaus 1932 in Dessau geschlossen. Im
gleichen Jahr feierte New York das Bauhausgebäude als Vorbild für den sogenannten
Internationalen Stil. Walter Gropius postulierte jedoch bereits 1930: „Das Ziel des Bauhauses
ist eben kein ‚Stil’, kein System, Dogma oder Kanon, kein Rezept und keine Mode!“
In der Nachkriegszeit wurde das Bauhaus im Westen Deutschlands von konservativen
Experten in der sogenannten Bauhausdebatte und darüber hinaus als zweckorientierte
Moderne kritisiert. In der DDR hieß es, man müsse den kosmopolitischen „Bauhausstil“ als
„volksfeindliche Erscheinung“ ablehnen, so Walter Ulbricht 1951. Mit dem ideologischen
Wandel in der DDR, von den „Nationalen Traditionen“ zur Moderne, wurde das
Bauhausgebäude zum Denkmal erklärt. 1976 nach denkmalpflegerischen Richtlinien
restauriert, kam es 1996 auf die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes.
Architektur: Der Bruch mit der Tradition machte das Bauhausgebäude zum
programmatischen Symbol für die Moderne. Es symbolisierte sowohl die avantgardistische
Institution Bauhaus als auch das Neue Bauen im 20. Jahrhundert. Die verschiedenen
Funktionen einer Hochschule für Gestaltung wurden hier zu einem einzigen Bau
zusammengefügt: Schule und Werkstatt, Theater und Mensa, Wohnheim und Verwaltung
überlagern sich in einer kom-plexen Baustruktur. Das Gebäude kommt aus dem Geometrie-
Baukasten. Mit den elementaren geometrischen Formen ging es Gropius um eine „klare, mit
einem Blick erfassbare Erscheinungsform“ und um das serielle Bauen.
Sanierung: Die jetzt abgeschlossene Sanierung hat das Gebäude wieder weitgehend auf
das farbige Originalbild von 1926 zurückgeführt. Grundlegende Strukturen wurden dabei
restauriert oder rekonstruiert: Sichtbare Konstruktion und gläserne Transparenz, leuchtende
Farbigkeit und differenzierte Oberflächen sind von zentraler Bedeutung für das Verständnis
des Bauhausgebäudes als Kunstwerk und wurden analysiert und bearbeitet. Gleichzeitig
wurden auch historische Spuren der Nutzung und Veränderung erhalten.
Erlebnis: Das Bauhausgebäude ist eine Sehschule von Modernität. Das Durchschreiten des
Hauses wird zum Erlebnis eines offenen Raumes, der ungewohnte Blicke zwischen Innen
und Außen bietet. Architektur wird zum Medium einer neuartigen Wahrnehmung des
modernen Raumes. Mit großen Fenstern öffnet sich das Gebäude dem Blick von der Straße,
von Innen erscheint die Stadtlandschaft wie ein gerahmtes Bühnenbild. Die farbigen Wände
und Decken sind Raumbilder und dienen zugleich der Orientierung.
Pressegespräch und Rundgang durch die Ausstellung
30. November, 14 Uhr, Ausstellungsebene
Termine:
Ausstellungseröffnung: 2.12., 18.00 Uhr
Öffnungszeiten: 3.12. - 11.3.2007, täglich 10 - 18 Uhr
Jubiläumsfeierlichkeiten:
Wie schon mitgeteilt, begeht die Stiftung das Jubiläum auch mit der zweitägigen Konferenz
„Moderner Internationalismus – globale Weltkultur“ am 1./2. Dezember und einem Fest im
Anschluss an die Ausstellungseröffnung am 2. Dezember.
Außerdem gibt die Stiftung in der Edition Bauhaus, Jovis Verlag, Berlin, folgende
Publikationen heraus:
- „Ikone der Moderne – Das Bauhausgebäude in Dessau“, Lesebuch zur Ausstellung, erscheint am 2. Dezember 2006
- „Archäologie der Moderne – Sanierung Bauhaus Dessau“, erscheint am 2. Dezember 2006
Die Ausstellung wird durch das Land Sachsen-Anhalt und die Lotto-Toto GmbH Sachsen-Anhalt gefördert.
Pressereferentin:
Dr. Annette Zehnter
Stiftung Bauhaus Dessau
Gropiusallee 38
06846 Dessau
Tel. 0340 6508225
Fax: 0340 6508226
E-Mail: zehnter[at]bauhaus-dessau.de
www.bauhaus-dessau.de

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