Das Architekturerbe der Nachkriegsmoderne (ca. 1945- 1975) ist heute – nicht nur in Deutschland - aus verschiedenen Gründen in seinem Bestand massiv gefährdet. Die Abneigung gegen die funktionale Ästhetik der als „hässlich“ diffamierten Nachkriegsmoderne sowie gegen das städtebauliche Konzept der offenen „Stadtlandschaft“ ist derzeit im Publikum, in Politik und Verwaltung, aber auch in Fachkreisen weit verbreitet und erleichtert den zumeist von ökonomischen Interessen bestimmten Abrissboom. So verschwinden jährlich zahlreiche Bauten, die, hätte man sie rechtzeitig in anderem Lichte betrachtet, als ästhetisch und historisch wertvolle Bauwerke im Kulturerbe der Städte und Regionen hätten erkannt und vielleicht auch bewahrt und saniert werden können.
Die Ausstellung verfolgt das Ziel, in einer anschaulichen, didaktischen und durchaus auch provozierenden Inszenierung einem breiten, interessierten Publikum am Beispiel Berlins sowohl die Qualität und Bedeutung der Bauwerke und denkmalgeschützten Baudenkmäler dieser Epoche als auch den problematischen, oft entstellenden
Umgang mit diesem jüngsten Architekturerbe zu vermitteln. Sie bedient sich dabei einer medizinisch diagnostischen Terminologie, die vom „Exitus“ bis „Als geheilt entlassen“ in mehreren Stationen verschiedene Krankheitsbilder, Diskurse und Therapievorschläge beleuchtet. Die multiperspektivische Argumentation soll den Betrachter zur Überprüfung seiner eigenen (Vor)urteile anregen.
Zu sehen sind zahlreiche aktuelle Neuaufnahmen herausragender, zum Teil wenig bekannter Bauten sowie historische Fotografi en, Originalzeichnungen, Dokumente und Modelle aus verschiedenen Sammlungen. Die Ausstellung markiert nach außen den sichtbaren Auftakt zu einem Drittmittel-Forschungsprojekt zur Erfassung, Bewertung und Bewahrung des Architekturerbes der Nachkriegsmoderne, das derzeit an den beteiligten Fachgebieten vorbereitet wird. Sie stellt einen Beitrag der Technischen Universität zum „Moderne-Jahr 2007“ in Berlin dar, das anlässlich des einhundertjährigen Jubiläums des Deutschen Werkbundes und des 50. Geburtstags des Hansaviertels der Aktualität der Moderne gewidmet ist.
http://www.schinkelzentrum.tu-berlin.de/

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