ZDF-Sendung "Bürger, rettet Eure Städte"

Seit Juni 1992 präsentiert der Sender "ZDF" in Zusammenarbeit mit der "Deutschen Stiftung Denkmalschutz" die Sendung "Bürger, rettet Eure Städte". Monat für Monat werden historische Baudenkmale und Stadtensembles, die vom Zerfall bedroht sind, kurzfristig vorgestellt. Die "Sorgenfälle" werden von der Stiftung gefördert, sind aber dennoch dringend auf weitere private Spenden angewiesen.
Auf der aktuellen Website der ZDF-Sendung haben Sie die Möglichkeit Details der einzelnen Sendungen nachzulesen und teilweise per Video anzusehen. Weiterhin können Sie in dem "Archiv nach Bundesländern" mit bereits über 120 Objekten ein Ausflugsziel oder nach gezielten Informationen über die Denkmäler der Sendung suchen.

Die Sendung am Sonntag den 11. Juni 2006 um 13.45 Uhr stand unter dem Titel "Nah am Wasser gebaut". Hierbei werden zwei Objekte, die auf der Förderliste des Deutschen Stiftung Denkmalschutz stehen, vorgestellt:

Linachtalsperre, Vöhrenbach (Baden-Württemberg)

Die Linachtalsperre wurde von 1922-25 errichtet. Die 25 m hohe Staumauer mit einer Kronenlänge von 143 Metern besteht aus 13 zur Talseite hin offenen Halbzylindern aus Eisenbeton. Die Zy-linder sind auf sogenannte Herdmauern ge-gründet, die wiederum bis zu 12 m unter der Erde auf dem Fels aufsitzen. Die Wasserseite setzt sich aus halbrunden Wölbungen zusam-men, die zweizonig gegliederte Talseite erinnert an antike Aquadukte.

Erstmals entstand in Deutschland ein solches Bauwerk in sog. "aufgelöster Bauweise" mit ei-ner Gewölbe-Reihenstaumauer. Die Talsperre ist das erste und letzte erhaltene Beispiel des Typs einer Schrägzylinder-Sperrmauer in Euro-pa. Das Turbinenhaus mit Pyramidendach wur-de von 1922-24 in Jugendstilformen errichtet.

1970 wurde der Kraftwerksbetrieb wegen Un-rentabilität eingestellt. Dadurch musste auch der Stausee 1988 wegen Einsturzgefahr der Staumauer abgelas-sen werden. Durch energiepolitisches Um-denken wird seit 1988 wieder versucht, Strom aus der Linach zu erzeugen. Das Turbinenhaus mit der technischen Einrichtung wurde instand-gesetzt und zur Erhaltung der Talsperre hat sich 1999 ein Förderverein gegründet.

Bei der Linachtalsperre von Vöhrenbach han-delt es sich um ein Technisches Denkmal von nationaler Bedeutung.

Schwebefähre, Osten (Niedersachsen)

Die 1908/09 errichtete Schwebefähre über die Oste verbindet die durch das Flüsschen getrennten Ge-meinden Hammoor und Osten. Die Überwindung der Oste an der bereits historisch wichtigen Stra-ßenverbindung von Wischhafen an der Elbe ins Binnenland kann bis ins Mittelalter nachgewiesen werden. Der rege Schiffsverkehr, die von Ebbe und Flut beeinflußten hohen Wasserstände, Stürme und Eisgang führten jedoch zu häufigen Störungen. Für ein wenig mehr als die Hälfte der Brückenkosten beauftragte die Ge-meinde Osten 1905 die Firma MAN mit der Ausfüh-rung einer stählernen Schwebefähre, dessen Bau 1908 begonnen wurde und bereits im August 1909 in Betrieb gehen konnte.

Im Wesentlichen besteht die Anlage aus einem Traggerüst in genieteter Stahlfachwerkkonstrukti-on, in dessen Hauptträger das Radgestell der ab-gehängten Fähre (Gondel) verkehrt. Die ca. 21m hohe Konstruktion überspannt die Oste mit 80m Stützweite und leitet die Kräfte über zwei gespreiz-te Portalkonstruktionen in pfahlgegründete Beto-nauflager.

Die Tragkonstruktion der eigentlichen Fähre (Gon-del) erfolgt mittels Elektroantrieb, der bereits 1920 von Gleichstrom auf Drehstrom umgestellt wurde. 1939 wurde durch Verstärkung des Fachwerks die Tragfähigkeit von 12t auf 14t und 1966 um weitere 4t auf 18t erhöht. 1974 schließlich wurde der Be-trieb auf Grund eines Brückenneubaus über die Oste eingestellt. Ein Förderverein erhielt den Betrieb zu touristischen Zwecken bis zur Stilllegung 2001 aufrecht.
Die Ostener Schwebefähre gehört weltweit zu den letzten acht ihrer Art und ist einzigartig in Deutsch-land. Entwickelt wurde dieser Typ von beweglicher Brücke im ausgehenden 19.Jh., um den zuneh-menden Landverkehr ohne Behinderung des Schiffverkehrs über Flüsse zu führen. Die aus-schließlich im Flachland errichteten Bauwerke hat-ten gegenüber festen Brücken den Vorteil, ohne kostenintensive Rampen eine vergleichsweise ho-he Durchfahrtshöhe für Schiffe zu ermöglichen. Mit dem die Kapazität dieser Konstruktionen überfor-dernde exponentiell anwachsende Landverkehr und die Umstellung der Schiffsantriebe auf Diesel-motoren verringerten sich die Aufbauhöhe der Schiffe, so dass der eingangs beschriebene Vorteil nicht lange währte. 1916 wurde die letzte Schwe-bebrücke in Großbritannien gebaut.


Weitere Informationen zu der ZDF Sendung finden Sie unter dem Link:
http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/31/0,1872,1021727,00.html

Mit freundlicher Unterstützung von:

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