Bevor ich Ihnen unser Programm im Mai vorstelle, möchten wir Sie noch gerne darauf aufmerksam machen, dass sie uns auch jederzeit im Internet unter:
www.schaetze-der-welt.de besuchen können. Wenn Sie Fragen, Kritik oder Anregungen zu unserer Sendung oder unserem Internetauftritt haben, können sie uns jederzeit per Email oder Post erreichen.
Veranstaltungen
Für die kommende Zeit möchten wir ihnen außerdem einige Veranstaltungen rund um das Welterbe und unseren aktuellen Themen empfehlen:
1. Museumsnacht auf der Wartburg,
Samstag, 09. August 2008, 20:00 Uhr, Burghöfe
"Sommernächte auf der Wartburg", 11. Museumsnacht
Die Wartburg bei Nacht mit vielen Überraschungen
Informationen unter: http://www.wartburg-eisenach.de/frame_st.htm
2. "Welterbe Limes – Roms Grenze am Main",
Sonderausstellungen der Archäologischen Staatssammlung München,
4. April 2008 - 14.September 2008
Seit 2005 gehören die Spuren des römischen Limes zum Unesco-Welterbe der Menschheit. Einer der reizvollsten Abschnitte dieser Grenzanlage gegen die Barbaren folgt der Flusslinie des Mains zwischen dem bayrischen Miltenberg und Großkrotzenburg in Hessen. Hier haben Archäologen in den letzten Jahrzehnten außerordentliche Funde aus römischer Zeit hervorgebracht: nicht nur Bildwerke und Opferaltäre, Weihegaben und antikes Kunstgewerbe, sondern vor kurzem auch eine komplette Polizeistation! Die jüngsten Grabungserfolge sind nun in einer Ausstellung der Archäologischen Staatssammlung München zu sehen.
Informationen unter: http://www.archaeologie-bayern.de/au_ak.html
3. Workshop für Kinder: "Zeitreise" zu den Römern,
Stadtmuseum Bonn, Donnerstag, 07.August 2008, 14.00 bis 15.30 Uhr
Was haben die Kinder damals gespielt? Wie haben sie gewohnt? Welche Kleidung trugen die Römer?
Wie sah Bonn vor 2000 Jahren aus? Hier findet ihr Antworten auf all Eure Fragen.
Informationen unter: http://www2.bonn.de/stadtmuseum/inhalte/kinder_termine_2008.htm
4. Freilichttheater im Weltkulturerbe,
im Klosterhof des Kloster Mauolbronn
03.08.2008: "Der fliegende Mönch"
10.08.2008: "Ende gut, alles gut"
Informationen unter: http://www.maulbronn.de/relaunch/d_800/html/aktuell.php
5. Lange Nacht des offenen Denkmals,
Stralsund, 06. September 2008
"Gegen die Nacht können wir nicht ankämpfen, aber wir können ein Licht anzünden." Was Franz von Assisi schon vor 800 Jahren weise riet, befolgt die Tourismuszentrale Stralsund auch heute noch immer am ersten Samstag im September, wenn sie alle Stralsunder und Gäste zur “Langen Nacht des offenen Denkmals” bittet. In diesem Jahr zünden über 40 Kulturstationen ein Licht an und öffnen ihre Türen und Tore für eine Nacht voller Überraschungen, die Jahr für Jahr um die 10.000 Besucher in ihren Bann zieht. Informationen unter:
http://www.stralsundtourismus.de/lange_nacht_des_offenen_denkmals.0.html
6. Gedenkveranstaltungen an Hiroshima und Nagasaki,
06. August 2008
Bonn, 18 Uhr: Kundgebung am Beueler Rheinufer,
Dortmund, 14 Uhr: Hiroshima Gedenkveranstaltung
Düsseldorf, 18 Uhr: Mahnwache
Informationen unter: http://www.kooperation-fuer-den-frieden.de/hir08ter.htm
Unsere Sendungen im August im Überblick
Sonntag, 03.August 2008, 06.00 Uhr, 3sat
Segovia - Kulissen für Machtspiele, Spanien
Wh: Montag, 04.August 2008, 12.45 Uhr, 3sat
Sonntag, 03.August 2008, 09.15, SWR Fernsehen
Die Reichenau - Klosterinsel im Bodensee, Deutschland
Dienstag, 05.August 2008, 21.45 Uhr, 3sat,
Hiroshima - Die Bombe und die Zeit, Japan
Wh: Sonntag, 10. August 2008, 06.00 Uhr, 3sat
Montag, 11. August 2008, 12.45 Uhr, 3sat
Samstag, 09. August 2008, 06.00 Uhr, SWR Fernsehen
Fürst Pückler Park in Bad Muskau, Deutschland
Sonntag, 10. August 2008, 09.15 Uhr, SWR Fernsehen
Zeche Zollverein - Von Kohle zu Kunst, Deutschland
Dienstag, 12. August 2008, 21.45 Uhr, 3sat
Robben Island - Insel der Apartheid, Südafrika
Wh: Sonntag, 17. August 2008, 06.00 Uhr, 3sat
Montag, 18. August 2008, 12.45 Uhr, 3sat
Samstag, 16. August 2008, 06.00 Uhr, SWR Fernsehen
Die Wartburg - Wo Romantik vom Mittelalter träumt, Deutschland
Dienstag, 19. August 2008, 21.45 Uhr, 3sat
Abomey - Königreich der Sklavenhändler, Benin
Wh: Sonntag 24.08.2008, 06.00 Uhr, 3sat
Montag, 25.08.2008, 12.45 Uhr, 3sat
Samstag, 23. August 2008, 06.00 Uhr, SWR Fernsehen
Maritime Greenwich - Das Herz der Seefahrt, Großbritannien
Samstag, 23 August 2008, 06.45 Uhr, 3sat
Thementag: "Imperium Romanum"
(Limes, Pont du Gard, Las Médulas, Leptis Magna) (60 Min.)
Sonntag, 24. August 2008, 09.15 Uhr, SWR Fernsehen
Regensburg - Aus tiefem Schlaf erwacht, Deutschland
Dienstag, 26. Sonntag, August 2008, 21.45 Uhr, 3sat
Potosi - Das Silber des Teufels, Bolivien
Wh: Sonntag, 31. August 2008, 06.00 Uhr, 3sat
Samstag, 30. August 2008, 06.00 Uhr, SWR Fernsehen,
Weimar - Die Stadt im Park, Deutschland
Sonntag, 31. August 2008, 09.15 Uhr, SWR Fernsehen
Wismar und Stralsund - Die ungleichen Gleichen, Deutschland
Die ausführlichen Informationen zu unseren Sendungen im August
Sonntag, 03.August 2008, 06.00 Uhr, 3sat
Segovia - Kulissen für Machtspiele, Spanien
Wh: Montag, 04.August, 12.45 Uhr, 3sat
Segovia ist eine Stadt mit vielen Ansichten. Wie auf einer Bühne bieten sich die eindrucksvollen Bauwerke dar. Das römische Aquädukt, der Alcázar oder die Kathedrale. Der Film bringt diese mächtigen Kulissen zum Leben, er erzählt entscheidende Kapitel der Stadtgeschichte. Von den römischen Sklaven, die 20.000 Tonnen Granitquader übereinander türmten, um das Aquädukt des Kaisers inmitten der Stadt zu errichten. Eine Wunderleistung der Ingenieurskunst, das bis 1974 benutzt wurde. Der Film erzählt auch die dramatische Geschichte der machthungrigen Prinzessin Isabella, die sich 1474 in Abwesenheit ihres Mannes Ferdinand zur rechtmäßigen Königin von Kastilien krönen ließ. Oder die Geschichte des gescheiterten Revolutionärs, Juan Bravo, der den Aufstand der "Comuneros" anführte und dafür von Karl V. hingerichtet wurde. Kurz danach gab Kaiser Karl den Auftrag, die zerstörte Kathedrale neu zu erbauen. So entstand eines der letzten Monumentalbauwerke Segovias, ein weiterer Baustein für eines der grandiosesten Kulissen Spaniens.
Buch und Regie: Ursula Böhm
Kamera: Ralf Nowak
Sonntag, 03.August 2008, 09.15, SWR Fernsehen
Die Reichenau – Klosterinsel im Bodensee, Deutschland
Wer den Namen Reichenau hört, assoziiert damit Gemüse, vielleicht auch Segeln oder Baden. Doch die vom Klima so begünstigte Insel hat mehr zu bieten als Salatköpfe, Gurken und Bootsanleger. Und deshalb hat die Unesco die Reichenau im November 2000 zum Weltkulturerbe ernannt. Die Reichenauer Benediktinerabtei ist ein Musterbeispiel mittelalterlicher Klosterarchitektur in Zentraleuropa. Sie entwickelte sich im 10. und 11. Jahrhundert zu einem geistigen und kulturellen Zentrum des Heiligen Römischen Reiches. Ihre Malschule prägte die europäische Kunstgeschichte des 10. und 11. Jahrhunderts. Das Marienmünster ist die größte der drei romanischen Kirchen. Als ehemalige Klosterkirche wurde sie im frühen 9. Jahrhundert erbaut. Zur gewaltigen dreischiffigen Basilika gehört eine reiche Schatzkammer mit Reliquien und Schreinen. Der Klostergarten geht auf Abt Walahfrid Strabo zurück, Verfasser des ersten deutschen Buchs über den Gartenbau. Aus seiner Feder stammt auch die "Visio Wettini", die Vision des Mönches Wetti. Eingerahmt in die apokalyptische Vision des Mönches Wetti spiegelt diese "göttliche Komödie" das christliche Weltbild des frühen Mittelalters wieder. Zeugen der Vergangenheit: Die Kirche St. Georg in Oberzell ist berühmt für die monumentalen ottonischen Wandmalereien aus dem 10. Jahrhundert. St. Peter und Paul liegt am anderen Ende der Insel. Bischof Egino von Verona stiftete die Kirche 793. Sein Anliegen war eher profan: er wollte seinen wohlverdienten Lebensabend eben am Bodensee verbringen. Bedeutend ist die romanische Apsismalerei, das letzte große und bis heute erhaltene Werk der Reichenauer Malschule. Zu den kunstgeschichtlichen Zeugnissen dieser Zeit gehören auch die einzigartigen Handschriften der Reichenau, die in Bilderzyklen das Neue Testament, das Leben Jesu und die Evangelien illustrieren. Der Geist dieser Vergangenheit ist heute noch zu spüren: an drei zusätzlichen Feiertagen, die nur hier auf der Insel gefeiert werden, tragen die Insulaner im Rahmen einer feierlichen Prozession die Reliquienschreine aus der Schatzkammer über die Insel. An den restlichen 362 Tagen bestimmen dann doch die Salatköpfe den Alltag der Reichenauer. Rund 100 Familien leben ausschließlich vom Gemüseanbau. Vom Fischfang, Jahrhunderte lang vom Kloster überwacht, können sich nur noch 20 Berufsfischer über Wasser halten.
Buch und Regie: Reinhard Kungel
Kamera: Dieter Wolf
Dienstag, 05.August 2008, 21.45 Uhr, 3sat,
Hiroshima – Die Bombe und die Zeit, Japan
Wh: Sonntag, 10. August, 06.00 Uhr, 3sat
Montag, 11. August, 12.45 Uhr, 3sat
Japan hat ein besonderes Verhältnis zur Zeit. Tempo, Pünktlichkeit. Leistung ist Arbeit in der Zeit. Einmal blieb die Zeit stehen. Am 6. August 1945, um acht Uhr fünfzehn am Morgen. Abwurf der ersten Atombombe. Und als die Zeit stehengeblieben war und sich weiterbewegte, war das alte Japan untergegangen. Ein neues Zeitalter hatte begonnen, nicht nur für Japan. Aber in Japan ging alles schneller und rücksichtsloser. Seit 1996 gehört die Ruine der alten Industrie- und Handelskammer Hiroshimas zum Weltkulturerbe. Der Atombombendom. Eine kleine Ruine aus rostigem Stahl und bröckelndem Beton. Er ist das Wahrzeichen der Stadt Hiroshima. Ein seltsames Wahrzeichen in einer seltsamen Welt. Die USA waren gegen den Eintrag Hiroshimas in die Unesco-Liste. Sie rechtfertigen den Abwurf der Bombe bis heute. Hiroshima ist nach dem Krieg völlig neu erbaut worden und heute eine geschäftige Großstadt. Es gibt immer noch Atombombenopfer, aber man begegnet ihnen nicht. Sie leben zurückgezogen. Sie passen nicht recht in das moderne Japan. Dem Atombombendom gegenüber liegt der Friedenspark von Hiroshima. Einst ein gemütliches altes Viertel mit Holzhäusern, Winkelgassen und einem Tempel. Heute spannen sich die Flügel des Friedens-Gedächtnis-Museums über den Park. Buch und Regie: Andreas Christoph Schmidt
Kamera: Birgit Gudjonsdottir BVK
Samstag, 09. August 2008, 06.00 Uhr, SWR Fernsehen
Fürst Pückler Park in Bad Muskau, Deutschland
Man muss auf den Hügel mit den alten Linden steigen und sich auf die alte Granitbank setzen, dann den Blick über die Schilfwiese zum Tal der Neiße schweifen lassen, kurz bei den drei Pappeln auf der Schlosswiese verweilen, um schließlich am Südflügel des Schlosses just auf den Fenstern, hinter denen die Gemächer des Fürsten lagen, hängen zu bleiben. Dahinter zeichnete ein Besessener Gartenpläne, schrieb feurige Liebesbriefe, dinierte mit den Großen seiner Zeit, grübelte über Schuldscheinen, machte großartige Reisepläne und verfasste Weltliteratur: Hermann Fürst von Pückler -Muskau. Inspiriert durch eine Reise begeistert Pückler sich für den englischen Landschaftspark, für die unauffällig gebändigte Natur. Im Frühjahr 1817 beginnt der "Erdbeweger" auf dem Familiensitz in der Lausitz 800.000 Bäume und 42.000 Sträucher zu pflanzen, Wiesen werden entwässert, die Neiße umgeleitet und ein ganzes Dorf umgesiedelt. Die Muskauer Bürger fragen sich, ob "es mit meinem Verstande noch seine Richtigkeit habe". Genug Geld hatte Pückler nie, aber der Park bringt ihn an den Rand des Ruins. Dabei hatte er doch eigens zur Verwirklichung seiner Pläne die ältere, geschiedene Reichsgräfin von Pappenheim geheiratet. Aber auch deren Vermögen versinkt in Windeseile in Erdlöchern. Da sie seine Leidenschaft für den Garten teilt, willigt Lucie in eine Scheidung ein, um den Weg für eine begüterte Nachfolgerin frei zu machen. Pückler sucht drei Jahre lang in England. Kommt ohne Frau zurück, aber mit Bücher füllenden Reiseberichten. Der Fürst plant, träumt und gestaltet weiter - und Lucie mit ihm. Er schillert durch Politik und Gesellschaft. Wer den republikanisch gesinnten Aristokraten verstehen will, den realistischen Schwärmer, der muss die gewunden Wege wandeln, ihn zwischen Baumgruppen suchen und im Spiegel der Neiße aufschimmern sehen. Der Muskauer Park ist seine Seelenlandschaft. Und sein Herz schlägt heute wieder mitten in Europa. Die kleine Holzbrücke über die Neiße ist wieder geöffnet. Deutsche und Polen bemühen sich gemeinsam, das nach dem Krieg zertrennte Erbe Pücklers zu pflegen. Dem ewigen Nomaden, dem Reiseschriftsteller, dem Wanderer zwischen den Welten hätte das gefallen.
Buch und Regie: Eva Witte
Kamera: Burkard Kreisel
Sonntag, 10. August 2008, 09.15 Uhr, SWR Fernsehen
Zeche Zollverein – Von Kohle zu Kunst, Deutschland
Abreißen, Planieren, Neubebauen - das ist das übliche Schicksal von Industrielandschaften, wenn die Produktion nicht mehr lohnt. Stätten der Arbeit galten lange als unästhetisch und reizlos, und deshalb sind nur wenige historische Industrielandschaften heute noch intakt. Zeche Zollverein in Essen ist die am vollständigsten erhaltene Zechenanlage in Europa. Sie wurde 1986 stillgelegt, aber schon lange vorher war geplant, die Zeche für künftige Generationen zu nutzen. Umwidmung und aufwendige Restauration sind die Stichwörter für einen neuen Umgang mit dem alten Industrierelikt: der Weg führt von der Kohle zur Kunst. Im Kesselhaus der Zeche, wo einst der Dampfdruck für die Bewetterungsanlagen des Untertageabbaus erzeugt wurde, ist heute das Designmuseum Nordrhein-Westfalen. Im Turbinenhaus genießt man jetzt im Gourmetrestaurant "Casino Zollverein" exklusive Speisen zwischen Stahlträgern und alten Kesseln. Im Salzlager der Kokerei fand Kabakovs "Haus der Träume" Platz. In der großen Lesebandhalle wurden früher an vielen Bändern Gesteinsbrocken aus der Kohle gelesen - nun finden in ihr Konzerte statt. Seit ihrer Planung 1928 war die Zeche Zollverein eine Attraktion für Architekten und Grubenbetreiber. Den Industriearchitekten Martin Schupp und Fritz Kremmer ist es gelungen, einen Gesamtentwurf zu konzipieren, in dem nicht wie bei den meisten Fabrikationsstätten einzelne Bauelemente aneinandergestückelt oder je nach Bedarf verändert wurden, sondern Funktion und Ästhetik eine Einheit bilden. Von Anfang an wurde Zeche Zollverein bei aller Zweckmäßigkeit auch als repräsentatives Symbol der Arbeit, als Denkmal der Industrialisierung geplant. Mit der Aufnahme von Zeche Zollverein in die Welterbeliste der UNESCO 2001 bleibt ein einzigartiges Zeugnis der Industriearchitektur erhalten: der Weg der Kohle wird auch in Zukunft nacherlebbar sein.
Buch und Regie: Gisela Mahlmann
Kamera: Burkard Kreisel
Dienstag, 12. August 2008, 21.45 Uhr, 3sat
Robben Island – Insel der Apartheid, Südafrika
Wh: Sonntag, 17. August 2008, 06.00 Uhr, 3sat
Montag, 18. August 2008, 12.45 Uhr
"Dies ist die Insel. Hier werdet ihr sterben!" Mit diesen Worten wurde Nelson Mandela 1963 auf Robben Island empfangen. Aber Nelson Mandelas Widerstandkraft wurde auch von 27 Haftjahren nicht gebrochen. Und mit ihm waren fast alle führenden schwarzen Oppositionellen auf Robben Island interniert. Robben Island bedeutete schwarz und weiß. Ohne Grauzone. Schwarz, das waren die Häftlinge. Weiß, das waren die Wärter. Den ganzen Tag arbeiteten die politischen Gefangenen in den Steinbrüchen der kargen Insel. Geduldig eroberten sie Freiräume, sie bekamen lange Hosen, Betten statt Strohmatten, sie begannen zu studieren. Aber täglich blieben sie mit der Willkür konfrontiert, die Erleichterungen wieder zu verlieren. Robben Island diente von 1961 bis 1996 als Gefängnis. Heute ist die ehemalige Gefangeneninsel eine Touristenattraktion, die stündlich vom knapp 12 km entfernten Kapstadt aus angefahren wird. Und sie ist ein Symbol: für das Apartheits- Regime Südafrikas und dafür, dass der Widerstand der schwarzen Bevölkerung nicht länger zu unterdrücken war.
Buch und Regie: Frank Hertweck
Kamera: Gerd Bleichert
Samstag, 16. August 2008, 06.00 Uhr, SWR Fernsehen
Die Wartburg – Wo Romantik vom Mittelalter träumt, Deutschland Pathetisch und poetisch, hundertmal, tausendmal in Bildern und Worten verewigt - das ist die Wartburg im Thüringer Wald, hoch über Eisenach. Steingewordene Metapher für Rittertugend und Minnesang, für Kreuzfahrer-Blut und reformatorischen Geist. Goethe hat sie beschrieben und gezeichnet und Wagner sie im Tannhäuser besungen. Und zwischen beiden liegt der Burg Wiedergeburt. Mitte des 19. Jahrhunderts bergen der Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach und der Architekt Hugo von Ritgen die "deutscheste aller Burgen" aus den Trümmern. Kurz nachdem 500 Burschenschafter hier die politische Einigung Deutschlands beschworen hatten, suchten sie in den Ruinen des Mittelalters nach dem neuen deutschen Selbst- und Geschichtsbewusstsein. In den Trümmern und hinter dickem Putz fanden sie einen großartigen mittelalterlichen Bau, zierliche Säulen, Arkadengänge und - eine Lebensaufgabe. 40 Jahre Restaurierungsarbeit - unterbrochen von Geldmangel, politischen Wirren und Streiks - mit dem Ziel, dass "von der Erbauung der Wartburg der Deutsche einst die schöne Epoche seiner Selbsterkennung datieren (wird)." In Erwartung einer Bewunderung, "die süßer ist als alle gewonnenen Schlachten". Die Besucherzahlen, die Millionen-Scharen , vielleicht sind sie die lebendige Bestätigung für solchen Enthusiasmus. Sie kommen aus Deutschland und von weither, die Pilger von heute. Auf den Spuren der Minnesänger, der katholischen Heiligen Elisabeth oder wegen des flüchtigen Reformators Luther. Auf der Wartburg trieb jede Geschichte ihre Blüten, wurde jede historische Gestalt zum Sagenheld wurden Taten zu Wundern... "Von der Wartburg wird Deutschland das schöne Märchen vernehmen, dass es eine Geschichte und eine Literatur, Helden und Dichter hatte" - das ist die "Eroberung" des Mittelalters mit den Idealen der Romantik. Das ist die Wartburg.
Buch und Regie: Eva Witte
Kamera: Ralf Nowak
Dienstag, 19. August 2008, 21.45 Uhr, 3sat
Abomey – Königreich der Sklavenhändler, Benin
Wh: Sonntag, 24.08.2008, 06.00 Uhr, 3sat
Montag, 25.08.2008, 12.45 Uhr, 3sat
Sklaven gab es in Afrika schon lange bevor die ersten Weißen den schwarzen Kontinent betraten. Sklaven wurden den Fremden dort sogleich zum Kauf angeboten. Daraus entwickelte sich jener gigantisch-grausame Handel mit Millionen von Menschen, die meist von der afrikanischen Westküste, der noch heute so genannten Sklavenküste, nach Nord-, Mittel- und Südamerika verschleppt wurden. Ein glänzendes Geschäft war das nicht nur für die portugiesischen, holländischen und englischen Händler - sondern auch für die afrikanischen "Exporteure", darunter die Könige von Abomey. Jahrhunderte lang schöpften sie viel Reichtum und Macht aus diesem Handel, bis er Ende des 19. Jahrhunderts weltweit verboten wurde. Die Kolonisierung durch Frankreich beendete schließlich die grausame Herrschaft der Dynastie. Heute zeugen nur noch die Ruinen ihrer Paläste aus Lehm vom Prunk jener Könige - und von ihrer großen Grausamkeit beim Umgang mit den Sklaven. So hatte zum Beispiel der Thron des Königs auf vier abgeschlagenen Köpfen zu stehen. Recht bescheiden geht es dagegen beim heute amtierenden König von Abomey zu, der für Geld gern mit seinem Hofstaat vor Touristen posiert. An das Thema Sklaverei möchte in Abomey weder der König noch sonst jemand erinnert werden.
Buch und Regie: Albrecht Heise
Kamera: Rüdiger Kortz
Samstag, 23. August 2008, 06.00 Uhr, SWR Fernsehen
Maritime Greenwich – Das Herz der Seefahrt, Großbritannien
Einige Kilometer östlich von London, flussabwärts an der Themse, liegt Maritime Greenwich. Hier schlägt seit Jahrhunderten das Herz der britischen Marine. Von Maritime Greenwich aus eroberten Francis Drake, James Cook und Lord Nelson die Weltmeere zum Ruhm der englischen Krone. Und noch heute ist der kleine Ort ein Begriff für die Seefahrer aller Länder, durch Maritime Greenwich verläuft der Nullmeridian, der die Erdkugel in eine östliche und eine westliche Hälfte teilt. Herzstück der weitläufigen Anlage ist ein Observatorium das Sir Charles Wren, Architekt der Londoner St. Pauls Cathedral 1675 im Auftrag von König Charles I. entwarf. Durch genaue Kenntnis der Sterne versprach man sich damals eine Lösung des Längengradproblems. Die Kapitäne jener Zeit wussten bei ihren Fahrten nie, wo sie sich genau befanden. Gelöst wurde dieses Problem erst gut hundert Jahre später durch einen Tischlermeister. John Harrison ging von der Idee aus, man muss auf hoher See jederzeit wissen, wie spät es im Heimathafen ist. Aus der Differenz dieser Zeit und der Bordzeit kann man dann die Lage des Schiffes in Längengraden und Minuten berechnen. John Harrison baute die erste Uhr die unabhängig von Temperatur und Klimaschwankungen, Feuchtigkeit und Schiffsbewegungen auf hoher See die Zeit messen konnte. Dominik Wesselys Film erzählt aber nicht nur ein wichtiges Kapitel der Seemannsgeschichte. Er zeigt auch die anderen Gebäude dieses Weltkulturerbes. Das älteste Gebäude ist das Queens House, ganz im Stil der italienischen Renaissance, "gebaute Mathematik" - Ebenbild göttlicher Harmonie. Das königliche Marinehospital mit der prachtvollen Royal Chapel und den opulenten Sälen, wie der Painted Hall. Hier sollten die Veteranen der königlichen Marine ihr Seelenheil finden. Bei seinen Bewohnern war das Hospital nur mäßig beliebt. So beschwerte sich ein Zeitgenosse: "Säulen, Kolonnaden und Deckengemälde gehen nur schlecht zusammen mit gepökeltem Beef und gesäuertem Bier, vermischt mit Wasser."
Buch und Regie: Dominik Wessely
Kamera: Rüdiger Kortz
Samstag, 23 August 2008, 06.45 Uhr, 3sat
Thementag: "Imperium Romanum"
(Limes, Pont du Gard, Las Médulas, Leptis Magna) (60 Min.)
Limes :
Fast 550 Kilometer zieht sich der Obergermanisch-Raetische Limes – die Grenze Roms zu den Barbaren – quer durch Deutschland. Der Limes lag auf dem Gebiet des heutigen Hessen, Baden-Württemberg und Bayern und grenzte die nördlich der Donau liegenden Teile der römischen Provinz Raetia und die rechtsrheinischen Teile der Germania Superior nach Osten ab. Zunächst nur ein Postenweg, wurde der Limes ab Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr. zu einer imposanten Grenzanlage mit Palisaden, Gräben, Wällen und Wachtürmen ausgebaut, in Raetien später dann noch durch eine Mauer verstärkt. Die Besatzungen der über 900 Wachtürme hatten Sichtkontakt. Denn der Limes war nicht als ein militärisches Bollwerk konzipiert, sondern als eine ausgeklügelte Überwachungs- und Fernmeldeanlage. Bei Einfällen der Barbaren konnten die über 120 kleineren und größeren Kastelle im Rückraum der Grenze rasch mit Licht- und Hornsignalen alarmiert werden. Deren schnelle Eingreiftruppen schnitten dann den Eindringlingen mit einem Zangenangriff den Rückzug ab. Schnurgerade zog sich der Limes Hunderte von Kilometern durch die Landschaft. Eine gewaltige Ingenieurleistung, von der aber nur noch wenige Spuren erhalten sind. So geben vor allem die Grabungen der Archäologen Auskunft über das Leben am Limes. Auf der Basis ihrer Erkenntnisse wurden auch Wachtürme samt Palisaden, Graben und Wall rekonstruiert. Die früheste und wohl berühmteste Rekonstruktion einer römischen Militäranlage am Limes ist die Saalburg bei Bad Homburg. Seine Majestät höchstpersönlich, der preußische Kaiser Wilhelm II, machte sich die Idee zu Eigen, in den Wäldern des Taunus ein Grenzkastell teilweise wiederaufzubauen. Heute hilft der Computer, sich eine Vorstellung von bedeutenden Stätten des Limes zu machen - wie von dem Kastell Aalen, dem größten römischen Reiterlager nördlich der Alpen. Doch trotz 200 Jahren wissenschaftlicher Forschung am Limes bleibt vieles im Dunkeln, wurde schon immer über den Zweck der Anlage spekuliert. So kommen immer mehr Wissenschaftler zu der Auffassung, dass der Limes neben seiner militärischen Bedeutung vor allem als territoriale Grenzlinie zur wirtschaftlichen Kontrolle gesehen werden muss. Der Limes als Wohlstandsgrenze - es zeigt sich, welche Aktualität das größte Bodendenkmal Europas hat. 2005 wurde der Obergermanisch-Raetische Limes in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen.
Buch und Regie: Willy Meyer,
Kamera: Gerd Bleichert
Pont du Gard :
Der Pont du Gard im Süden Frankreichs ist die größte erhaltene Aquäduktbrücke der Antike. Im ersten Jahrhundert n.Chr. erbauten die Römer diese fast 50 m hohe Aquäduktbrücke als Teil einer Wasserleitung für das heutige Nîmes. In drei Arkadenreihen mit 64 Rundbögen überquert dieses Monument den Fluss Gardon. Damals floss Wasser über das 265 m lange Konstrukt, um die heutige Stadt Nimes im Süden Frankreichs zu versorgen. Einerseits architektonisch eindrucksvoll, kann man andererseits die Grundsätze des römischen Wasserbaus hier erkennen. Das gesamte Aquädukt wurde mit einem stetigen Gefälle konstruiert und mit einer durchschnittlichen Neigung von nur 25 cm pro Kilometer. Die Römer benutzten eine Art Beton, aus der die Leitungen gegossen waren - eineTechnik, die über 1000 Jahre lang vergessen blieb. Der Film entführt den Zuschauer in die Gedankenwelt des Baumeisters von einst und führt in die Geheimnisse der römischen Baukunst ein. Indem wir dem architectus über die Schulter schauen, wird der Pont du Gard zu einem lebendigen Zeugnis römischer Zivilisation.
Buch und Regie: Stefan Tolz,
Kamera: Jo Heim BVK
Las Médulas:
Der erste, faszinierende Eindruck: Die Farbe Rot. Seltsam geformte, rotleuchtende Bergspitzen stechen in den blauen Himmel Nordwest Spaniens. Eine bizarre Formenwelt ragt aus der gebirgigen Landschaft Kastilien-Leons: ’Las Médulas’, ein Naturschatz als Welterbe der UNESCO. Ein seltsames Naturphänomen, denkt der ahnungslose Besucher, doch er steht vor einem Kunstwerk von Menschenhand, eigentlich einem Werk der Zerstörung. Nicht natürliche Erosion hat die merkwürdigen Kegel und Spitzen aus einem Gemenge von roter Erde, Steinen und Fels geschaffen, sondern menschlicher Erfindungsreichtum. High Tech vor zweitausend Jahren. ‚Ruina Montium’ nannten die Römer die Bergbautechnik, mit der sie Berge in der eroberten Provinz Terraconensis durch Wasserkraft sprengten, um an die goldhaltigen Schichten zu gelangen. Wie mit Maulwurfsgängen wurde die Erde durchhöhlt. Asturier im Dienst des Imperium Romanum gruben Tunnel und Schächte, in die zerstörerischen Wassermassen geleitet wurden. Ob der Geschichtsschreiber Plinius übertrieb, als er notierte: ‚Was in Las Médulas geschieht, übersteigt das Werk von Giganten. In die Berge werden Gänge und Stollen gegraben...monatelang sehen die Bergleute keine Sonne und viele von ihnen sterben in den Tunneln’? Jedenfalls geschah dies ‚Gigantenwerk’, um den Bedarf und die Gier der römischen Herren nach dem Edelmetall, aus dem sie ihre Münzen prägten, und Schmuck fertigen ließen, zu sättigen. Was wir heute sehen, blieb stehen, wenn der Druck der Wassermassen die Berge nicht vollständig zerreißen konnte, und es wirkt oft wie ein abstraktes Kunstwerk. Doch es ist ein zugängliches Kunstwerk mit Wanderwegen. Wer durch die Schluchten, in denen die knorrigen Stämme der zahlreichen Esskastanien ebenfalls wie Kunstwerke erscheinen, den Windungen der Pfade folgt, bei dem erwacht Abenteuerlust. Die gleiche kindliche Neugier, die ein Mädchen und zwei Jungen beseelt, denen die Kamera des SWR auf ihrer Entdeckungsreise in die geheimnisvollen Höhlen und unheimlichen Gänge unauffällig folgt. Und wer noch Atem hat, um die steilen Wege zur Aussichtsplattform Mirador zu bewältigen, den erwartet bei Morgengrauen ein überwältigender Eindruck, wenn das erste Licht die Bergspitzen trifft, und wie die ungeschliffenen Perlen einer rotglühenden Korallenkette leuchten lässt.
Buch und Regie: Christian Romanowski,
Kamera: Gerd Bleichert
Leptis Magna:
Jahrhunderte lang war Leptis Magna an der Küste Libyens unter Sanddünen begraben. Seit den 20er Jahren brachten Ausgrabungen großzügig angelegte Straßen und Märkte zutage, Prunkbauten, Tempel, Bäder, einen Hafen mit Lagergebäuden. Leptis Magna ist eine Großstadt gewesen. Heute ist es eine der besterhaltenen römischen Ruinenstädte überhaupt, doch bisher nur wenig bekannt. Auf Grund der politischen Situation Libyens war sie für Reisende lange Zeit fast unerreichbar. Der Film streift mit Iddibal Caphada Aemilius, einem Kaufmann aus der Zeit des Kaisers Augustus, durch die verlassene Stadt und ihre Umgebung. Er führt durch die Geschichte und verdeutlicht das alltägliche Leben in Leptis Magna. 200 Jahre später - die Erzählung springt in die Zeit des Kaisers Septimius Severus und folgt Lucius Caphada, einem Nachfahren des Kaufmanns. Die Stadt ist noch reicher und größer geworden. Lucius besucht das Hadriansbad, das Neue Forum und das Amphitheater. In der Stadt herrscht Luxus und Dekadenz. Der beginnende Niedergang ist schon spürbar.
Buch und Regie: Manfred Linke
Kamera: Donald Saischowa, Klaus Liebertz
Sonntag, 24. August 2008, 09.15 Uhr, SWR Fernsehen
Regensburg – Aus tiefem Schlaf erwacht, Deutschland
Heute denken wir an Bratwurst und Domspatzen. Früher dachte man an Silber und Seide, an Heilige und gekrönte Häupter. Früher da war Regensburg noch nicht der Ostzipfel Bayerns, sondern die Mitte. Kloster neben Kloster zog Künstler und Wissenschaftler an, gewiefte Kaufleute verteilten Luxusgüter in Europa und bauten hochmütig ihre Geschlechtertürme in den blau-weißen Himmel. Und die steinerne Brücke schwang sich stolz über die Donau - als einziger befestigter Übergang zwischen Ulm und Wien. Kaiser zogen durch die Stadttore, um Reichstage abzuhalten und alles, was ihnen untertan war in diesem nicht immer nur heiligen Reich, zog mit. Aber irgendwann lief der Handel an der Donau und Regensburg vorbei und die bayerischen Herzöge versuchten immer wieder, der freien Reichsstadt in ihrer Mitte die Luft zum Atmen zu nehmen. Die stolze Schöne reckte zwar weiter ihre Türme in den Himmel, aber ringsum sah sie nur Bayernland und keine Chance zu wachsen. In ihren Mauern tagten und tanzten noch bis 1806 die Gesandten des Reichstags und auch die Künstler und Wissenschaftler kamen in die "multikulturelle" Stadt, aber dann senkte sich der Dämmer über sie. So wie Regensburg mit dem Handel erst groß, dann arm geworden war, so stieg und fiel sie mit den Machtverhältnissen im tausendjährigen Reich. Ein Spiegel seiner wechselvollen Geschichte. Eine Geschichte, die bis heute in mittelalterliche Gewölben begehbar ist, sich in Türmen zuspitzt, in Innenhöfen versteckt, barocke Fassaden ziert und sich schließlich im alten Reichstagsgebäude mit ganzem Stolz präsentiert. Gerettet, bewahrt in einem langen Dornröschenschlaf, der wiederum durch neue Machtverhältnisse beendet wurde: Regensburg ist zurück in unserer Mitte, der Mitte Europas.
Buch und Regie: Eva Witte
Kamera: Burkard Kreisel
Dienstag, 26. Sonntag, August 2008, 21.45 Uhr, 3sat
Potosi – Das Silber des Teufels, Bolivien
Wh: Sonntag, 31. August 2008, 06.00 Uhr, 3sat
Potosí ist ein lebendiges Erbe der Menschheit. Es besteht aus einem kegelförmigen Berg in den Anden Boliviens, in dem es einmal die reichsten Silberminen der Welt gab. Am Fuß des Berges befindet sich die Stadt Potosí mit einem kunstvollen Bewässerungssystem und Aufbereitungsanlagen für das Silbererz. Im 17. Jahrhundert war die Blütezeit dieser Stadt. Da war Potosí wegen seines Silbers so bedeutend wie London, Paris oder Berlin. Dieser Prunk der Kolonialherren kann nicht erhalten werden, die Stadt verfällt langsam. Auch wenn es hier keine Zwangsarbeit mehr gibt, suchen jeden Tag 4000 Indios auf primitive Weise nach den Resten von Silber, Zinn und Blei, denn eine andere Arbeit gibt es hier für sie nicht. Der Teufel - der Schutzpatron der "mineros" - erzählt im Film die traurige Geschichte von Potosí und seinem einst so reichen Berg, von der Zwangsarbeit unter Tage, er führt durch Stadt und begleitet zu einem Fest, auf dem die Indios ihrer Mutter Erde, ihrer Gottheit Pachamama ein weißes Lamm opfern.
Buch und Regie:Albrecht Heise
Kamera: Peter Wendt
Samstag, 30. August 2008, 06.00 Uhr, SWR Fernsehen,
Weimar - Die Stadt im Park, Deutschland
Es war ein Glücksfall, dass die aufgeklärten Herrscher des kleinen Herzogtums Sachsen- Weimar-Eisenach die Reformbedürftigkeit des Landes erkannten und mit Erfolg versuchten, bürgerliche Persönlichkeiten an ihren Hof zu binden, die kulturell und politisch reformerisch wirksam werden sollten. So kamen dort universelle Geister zusammen. Herzogin Anna Amalia berief 1772 den Dichter Christoph Martin Wieland als Prinzenerzieher. Johann Wolfgang Goethe folgte 1775 der Einladung des jungen Herzog Carl August und wurde bald zu Weimars Zentralgestirn. Johann Gottfried Herder kam ein Jahr später, um die Stellung als oberster Geistlicher anzutreten. Friedrich Schillers Dichterbund mit Goethe und seine Arbeit insbesondere für das Theater führte zu einer Glanzzeit des klassischen Weimar. Ute Geisler folgt in ihrem Film den Spuren dieser Persönlichkeiten und zeigt das, was heute noch vom klassischen Weimar zeugt und weswegen die UNESCO die Stadt als Weltkulturerbe ausgezeichnet hat. Das Wittumspalais etwa oder die Herzogin-Anna-Amalia- Bibliothek mit ihrem einmaligen Buchbestand. Die Schlösser Belvedere, Tiefurt und Ettersburg. Die Wohnhäuser von Goethe und Schiller und ihre letzte Ruhestätte, die Fürstengruft. Verbunden werden diese Objekte immer wieder durch die ausladenden Parklandschaften Weimars. Einer von ihnen, der Park an der Ilm mit Goethes Gartenhaus, ist das vielleicht populärste Denkmal Weimars.
Buch und Regie: Ute Geisler
Kamera: Holger Schüppel
Sonntag, 31. August 2008, 09.15 Uhr, SWR Fernsehen
Wismar und Stralsund – Die ungleichen Gleichen, Deutschland
Zwei Hafenstädte - zwei Hansestädte, beide an der Ostseeküste gelegen. Und jeweils wird die Silhouette von 3 monumentalen Backsteinkirchen geprägt. Auf den ersten Blick könnte es scheinen, als ob sich alles wiederholt, doch dieser Eindruck trügt. Zwar verkörpern Wismar und Stralsund idealtypisch die Hansestadt zur Blütezeit des Städtebunds im 14. Jahrhundert und wurden deshalb auch gemeinsam zum Weltkulturerbe erklärt, doch sind sie zwei ungleich Gleiche. So wie die unzähligen Giebel der Bürgerhäuser in Wismar sich ähneln, niemals aber gleich sind. Die Fassaden der Wohnhäuser und Speicher sind prächtig und trotzdem maßvoll. So konnte sich in Wismar und Stralsund die ursprüngliche Struktur des Stadtkerns mit einer Fülle einmaliger Baudenkmäler fast unverändert erhalten. Der heutige Besucher durchquert die Städte auf den gleichen Straßen, auf denen vor über 700 Jahren der Händler seine Waren ins Lagerhaus, oder zum Hafen brachte. Ausgewogen, wie es dem Bürgersinn entsprach, versuchten sich die Einwohner mit den Fassaden ihrer Privathäuser nicht zu übertrumpfen, doch bei öffentlichen Bauten stellten sie den Reichtum der Stadt weithin sichtbar zur Schau . Wie mit den Pfarrkirchen, die zu den eindrucksvollsten Sakralbauten im Ostseeraum zählen. Sie stehen den gotischen Kathedralen Frankreichs an Großartigkeit nicht nach, doch gibt ihnen der Backstein einen viel wuchtigeren Charakter. So bei der monumentalen Georgenkirche zu Wismar. Im 15. Jahrhundert begonnen, nie vollendet und im zweiten Weltkrieg stark beschädigt, wird dieses Gotteshaus jetzt seit über 10 Jahren restauriert. Wie eng kirchliche und städtische Angelegenheiten zusammengehörten, zeigt sich eindrucksvoll im Zentrum von Stralsund. Dort bilden Ratshaus und die gewaltige Nikolaikirche eine architektonische Einheit. Mit seinem prunkvollen Giebel gehört das vierflügelige Rathaus unbestreitbar zu den Prunkstücke norddeutscher Backsteingotik und wurde zum Vorbild vieler Ratsgebäude im Ostseeraum. Doch einmalig ist seine sechsschiffigen Gewölbehalle im Kellergeschoss, in der das Ratsbier und der Wein gelagert wurden.
Buch und Regie: Christian Romanowski
Kamera: Gerd Bleichert
Vorschau auf unsere Sendungen im September:
Sendungen in 3sat:
Montag, 01. 09.2008, 12.45 Uhr,
Potosí – Das Silber des Teufels, Bolivien
Dienstag, 02.09.2008, 21.45 Uhr
Montag, 08.09.2008, 12.45 Uhr
Die Schwebefähre in Portugalete – Eine Dynastie macht Druck, Spanien
Dienstag, 09.09.2008, 21.45 Uhr
Sonntag, 14.09.2008, 06.00 Uhr
Montag, 15.09.2008, 12.45 Uhr
Die Radiostation Grimeton – Stimmen des Stroms, Schweden
Dienstag, 16.09.2008, 21.45 Uhr
Sonntag, 21.09.2008, 06.00 Uhr
Montag, 22.09.2008, 12.45 Uhr
New Lanark – Recht auf ein besseres Leben, Großbritannien
Dienstag, 23.09.2008, 21.45 Uhr
Sonntag, 28.09.2008, 06.00 Uhr
Montag, 29.09.2008, 12.45 Uhr
Das Plantin-Moretus Museum in Antwerpen – Eine Dynastie macht Druck, Belgien
Dienstag, 30.09.2008, 21.45 Uhr
Die Mühlen von Kinderdijk, Niederlande
Sendungen in SWR Fernsehen:
Samstag,06.09.2008, 06.00 Uhr
Der Dom zu Aachen – Symbol geistlich-weltlicher Macht, Deutschland
Samstag, 13.09.2008, 06.00 Uhr
Der Rammelsberg und Goslar – Ein Berg aus Erz und seine Stadt
Samstag, 20.09.2008, 06.00 Uhr
Die Schlösser Augustusburg und Falkenlust in Brühl, Deutschland
Samstag, 27.09.2008, 06.00 Uhr
Die Altstadt von Quedlinburg, Deutschland
Viel Vergnügen mit den Sendungen wünscht Ihnen:
Goggo Gensch
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