Neben renommierten Cranach-Forschern aus verschiedenen Universitäten und Museen waren auch Kunsthistoriker
und Restauratoren vom Kunsthistorischen Museum in Wien sowie vom Metropolitan Museum in New York der Einladung gefolgt. Dort entstehen
derzeit ebenfalls Bestandskataloge zur altdeutschen Malerei, deren Zwischenergebnisse gewinnbringend in die Überlegungen zum Bestand des
Jagdschlosses Grunewald eingebracht werden konnten.
Mit knapp 40 Gemälden von Lucas Cranach d. Ä., Lucas Cranach d. J. und deren Werkstatt verfügt die SPSG über einen bedeutenden Bestand an
Cranach-Gemälden. Seit 2006 untersuchen Kunsthistoriker und Restauratoren der SPSG die Tafelbilder, die derzeit wegen Sanierungsarbeiten im
Jagdchloss Grunewald in der Berliner Gemäldegalerie aufbewahrt werden.
Das Treffen bot Gelegenheit, den interdisziplinären fachlichen Austausch vor den Originalen zu führen. Einzelfragen sollten mit unverstelltem
Blick auf Befundstellen diskutiert werden. Der Teilnehmerkreis musste deshalb begrenzt bleiben. Alle Interessierten waren jedoch zum öffentlichen
Abendvortrag in das Schloss Charlottenburg eingeladen, wo der Basler Cranach-Kenner Prof. Dr. Dieter Koepplin die umfangreichen Aufträge der
Hohenzollern, Kardinal Albrechts von Brandenburg und Kurfürst Joachims II., an die Cranach-Werkstatt beleuchtete.
Das Arbeitstreffen hat deutlich gezeigt, dass ein so großer, weit über die regionalen Grenzen hinaus agierender Werkstattbetrieb, wie Lucas
Cranach d. Ä. ihn in Wittenberg aufbaute und nach 1550 an seinen Sohn übergab, die Wissenschaft vor die Herausforderung stellt, Fragen der
Zuschreibung und Händescheidung grundsätzlich neu zu überdenken. Die maltechnischen Untersuchungen - der Blick unter die Oberfläche der
Bilder - haben eine spezifische Malweise zu Tage gefördert, die in dieser Form bisher einzig für die Cranach-Werkstatt belegt ist.
Ausgehend von der mittelalterlichen Werkstatttradition entwickelte Cranach offensichtlich ein künstlerisches Prinzip, bei dem verschiedene
Werkstattmitarbeiter und der Meister für jeweils unterschiedliche Malschichten und Arbeitsphasen zuständig waren und dabei so eng verzahnt
zusammenarbeiteten, dass eine Händescheidung im üblichen Sinn kaum noch möglich ist.
Welche Folgen dies für die Klassifizierung der Cranach-Gemälde grundsätzlich hat, soll bei einem nächsten Treffen, möglicherweise in
New York, diskutiert werden. Nach den Erfahrungen mit dem Rembrandt Research Project und auch vor dem Hintergrund, dass die Situation in
Wittenberg im 16. Jahrhundert nicht mit derjenigen Rembrandts in Amsterdam 100 Jahr später zu vergleichen ist, stellt sich nun die Frage, anhand
welcher Kriterien zukünftig die Bezeichnungen Lucas Cranach d. Ä., Lucas Cranach d. J., Cranach-Werkstatt oder Cranach-Umkreis verwendet werden
können.
Presse-Information der
Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg:
SPSG-Pressereferat, Dr. Ulrich Henze,
Telefon 0331.96 94-318, Fax 0331.96 94-102,
Postfach 601 462, 14414 Potsdam.

Im
Romoe Restauratoren Netzwerk finden Sie Fach- und Sachinformationen zu
Restaurierung und
Konservierung von Restauratoren und Ihren Restaurierungsprojekten. Weiterhin erhalten Sie Infos zu den Themen Berufsbild Restaurator, über Produkte und Handel im Bereich
Restaurierungsbedarf und Restauratorenbedarf.