Gemälde von Lucas Cranach

Kostbare Tafelbilder des 16. Jahrhunderts standen im Mittelpunkt einer wissenschaftlichen Tagung der SPSG: Im April 2008 war die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin- Brandenburg (SPSG) Gastgeber eines zweitägigen internationalen Arbeitstreffens mit dem Thema "Zur Maltechnik von Lucas Cranach d.Ä. und Lucas Cranach d.J.", das dem wissenschaftlichen Austausch während der Vorbereitung eines SPSG-Bestandskataloges der deutschen Gemälde des 15. und 16. Jahrhunderts diente.
Neben renommierten Cranach-Forschern aus verschiedenen Universitäten und Museen waren auch Kunsthistoriker und Restauratoren vom Kunsthistorischen Museum in Wien sowie vom Metropolitan Museum in New York der Einladung gefolgt. Dort entstehen derzeit ebenfalls Bestandskataloge zur altdeutschen Malerei, deren Zwischenergebnisse gewinnbringend in die Überlegungen zum Bestand des Jagdschlosses Grunewald eingebracht werden konnten.

Mit knapp 40 Gemälden von Lucas Cranach d. Ä., Lucas Cranach d. J. und deren Werkstatt verfügt die SPSG über einen bedeutenden Bestand an Cranach-Gemälden. Seit 2006 untersuchen Kunsthistoriker und Restauratoren der SPSG die Tafelbilder, die derzeit wegen Sanierungsarbeiten im Jagdchloss Grunewald in der Berliner Gemäldegalerie aufbewahrt werden.

Das Treffen bot Gelegenheit, den interdisziplinären fachlichen Austausch vor den Originalen zu führen. Einzelfragen sollten mit unverstelltem Blick auf Befundstellen diskutiert werden. Der Teilnehmerkreis musste deshalb begrenzt bleiben. Alle Interessierten waren jedoch zum öffentlichen Abendvortrag in das Schloss Charlottenburg eingeladen, wo der Basler Cranach-Kenner Prof. Dr. Dieter Koepplin die umfangreichen Aufträge der Hohenzollern, Kardinal Albrechts von Brandenburg und Kurfürst Joachims II., an die Cranach-Werkstatt beleuchtete.

Das Arbeitstreffen hat deutlich gezeigt, dass ein so großer, weit über die regionalen Grenzen hinaus agierender Werkstattbetrieb, wie Lucas Cranach d. Ä. ihn in Wittenberg aufbaute und nach 1550 an seinen Sohn übergab, die Wissenschaft vor die Herausforderung stellt, Fragen der Zuschreibung und Händescheidung grundsätzlich neu zu überdenken. Die maltechnischen Untersuchungen - der Blick unter die Oberfläche der Bilder - haben eine spezifische Malweise zu Tage gefördert, die in dieser Form bisher einzig für die Cranach-Werkstatt belegt ist. Ausgehend von der mittelalterlichen Werkstatttradition entwickelte Cranach offensichtlich ein künstlerisches Prinzip, bei dem verschiedene Werkstattmitarbeiter und der Meister für jeweils unterschiedliche Malschichten und Arbeitsphasen zuständig waren und dabei so eng verzahnt zusammenarbeiteten, dass eine Händescheidung im üblichen Sinn kaum noch möglich ist.

Welche Folgen dies für die Klassifizierung der Cranach-Gemälde grundsätzlich hat, soll bei einem nächsten Treffen, möglicherweise in New York, diskutiert werden. Nach den Erfahrungen mit dem Rembrandt Research Project und auch vor dem Hintergrund, dass die Situation in Wittenberg im 16. Jahrhundert nicht mit derjenigen Rembrandts in Amsterdam 100 Jahr später zu vergleichen ist, stellt sich nun die Frage, anhand welcher Kriterien zukünftig die Bezeichnungen Lucas Cranach d. Ä., Lucas Cranach d. J., Cranach-Werkstatt oder Cranach-Umkreis verwendet werden können.

Presse-Information der
Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg:


SPSG-Pressereferat, Dr. Ulrich Henze,
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Gemälde von Lucas Cranach
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