Willy Brandt kehrt heim

Eröffnung des Willy-Brandt-Hauses in Lübeck: Am 18. Dezember 2007 wird im ehemaligen Amtshaus der Junker- und Zirkelkompanie in Lübecks Königstraße das Willy-Brandt-Haus eröffnet.
Zur feierlichen Eröffnung kann Karsten Brenner, Vorstandsvorsitzender der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung, Bürgermeister Bernd Saxe, Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen, den ehemaligen norwegischen Außenminister Thorwald Stoltenberg sowie Kurt Beck als Vorsitzender der SPD und Wolfgang Thierse, den Vizepräsidenten des Deutschen Bundestages begrüßen. Die Einrichtung der Gedenk-, Bildungs- und Begegnungsstätte in Erinnerung an Willy Brandt erfolgt nach umfangreichen Renovierungsarbeiten des historischen Baus.

Das Gebäude befand sich seit 1479 im Besitz der exklusiven Junker- und Zirkelkompanie. 1580-84 entstand es unter Beibehaltung der ursprünglichen Brandwände mit der typischen Aufteilung mit Vorderhaus und einem Seitenflügel neu. Kurz vor der Auflösung der Kompanie 1777/79 wurde das Amtshaus umfassend umgebaut. Seither präsentiert es sich bis heute als ein zweieinhalbgeschossiges Giebelhaus mit einer noblen Putzfassade im Zopfstil. Die Fassade ist im Erdgeschoss flach rustiziert und wird durch einen angedeuteten einachsigen Mittelrisalit und Ecklisenen mit zierliche Architekturvasen gegliedert. Der horizontale Abschluss erfolgt durch eine Galerie über dem Kranzgesims. Im angedeuteten Giebel über der Mitte befindet sich eine Gruppe allegorischer Figuren: Friede und Eintracht mit dem Wappen der Korporation. Die Plastiken stammen von Dietrich Jürgen Boy, einem hervorragenden Bildhauer der Zeit, von dem auch die Figuren der Lübecker Puppenbrücke stammen. Im Erdgeschoss öffnet sich der Bau durch ein Pilasterportal aus Sandstein, in dessen Bogenfeld eine ebenfalls Boy zugeschriebene Büste steht. Über den Stufen in die Tiefe des Eingangs zurückgezogen, sitzt die schön geschnitzte Doppeltür.

Der Charakter des Hauses wird im Inneren durch eines der stattlichsten Treppenhäuser Lübecks bestimmt. Spätere Um- und Einbauten führten zu Verlusten beim Deckenstuck, Reste der Ausstattung und Struktur der Zeit des Zopfstils sind jedoch noch erkennbar. Nach längerem Leerstand und umfangreichen Instandsetzungsarbeiten der letzten Jahre kann hier nicht nur die Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung ihre Arbeit aufnehmen, sondern hat die Stadt auch ein bedeutendes Denkmal an der Königstraße wiedergewonnen. Von der Stiftung werden die Erdgeschosse von Haupt- und Hinterhaus ebenso genutzt, wie ein neu entstandener Brückenbau zum benachbarten Günter-Grass-Haus und der gemeinsam gestaltete Garten. Nach der Wiederherstellung des ehemaligen Amtshauses fand auch das Denkmalamt der Stadt im Obergeschoss seinen neuen Sitz, dessen Restaurierung auch von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz mit einer Million Euro unterstützt wurde.

Das Gebäude ist damit eines von bisher 35 Projekten, das die Deutsche Stiftung Denkmalschutz allein in Lübeck mit Hilfe von privaten Spenden und mit Mitteln der Lotterie GlücksSpirale fördern konnte. Bundesweit konnte die 1985 gegründete Stiftung bisher über 400 Millionen Euro für den Erhalt von mehr als 3.200 Denkmalen zur Verfügung stellen.

Bonn, den 14. Dezember 2007/Schi
Deutsche Stiftung Denkmalschutz - Presse

Willy Brandt kehrt heim
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