Schätze der Welt - Sendungen im Januar 2008
Dienstag, 8. Januar 2008, 23.30 Uhr, SWR Fernsehen
Doppelpack: Afrikanisches Naturerbe:
Air und Ténéré. Niemandsland in Sand und Felsen, Niger und
Djoudj. Wasserwildnis am Rande der Sahara, Senegal
Samstag, 12.Januar 2008, 06.00 Uhr, SWR Fernsehen
Das Mausoleum des Hodscha Ahemd Yasawi. Pilgerfahrt nach
Turkesten, Kasachstan
Sonntag, 13.Januar 2008, 11.00 Uhr, SWR Fernsehen
Das Orchon-Tal. Steine, Stupas, Städte, Mongolei
Sonntag, 13. Januar 2008, 21.00 Uhr, 3sat
Dienstag, 15. Januar 2008, 15.30 Uhr, 3sat
Las Médulas. Zerstörung als Schöpfung, Spanien
Dienstag, 15. Januar 2008, 23.30 Uhr, SWR Fernsehen
Doppelpack: Ehemalige Handelsstrassen:
Buchara. Perle an der Seidenstraße, Usbekistan und
Die Weihrauchstraße in Dhofar. Tränen der Götter, Sultanat Oman
Sonntag, 19. Januar 2008, 06.00 Uhr, SWR Fernsehen
Córdoba ? Von der Moschee zur Kathedrale, Spanien
Sonntag, 20. Januar 2008, 11.00 Uhr, SWR Fernsehen
Merv. Ruinenstadt an der Seidenstrasse, Turkmenistan
Dienstag, 22. Januar 2008, 15.30 Uhr, 3sat
Klöster Haghpat und Sanahin ? Zwei ungleiche Geschwister, Armenien
Dienstag, 22. Januar 2008, 23.30 Uhr, SWR Fernsehen
Doppelpack: Gefährdetes Welterbe:
Die Everglades. Ein sterbendes Paradies, USA und
Die Reisterrassen der Ifugao. Stufen zum Himmel, Philippinen
Sonntag, 27. Januar 2008, 11.00 Uhr, SWR Fernsehen
Samarkand. Die blauen Kuppeln Timurs, Usbekistan
Sonntag, 27. Januar 2008, 21.00 Uhr, 3sat
Dienstag, 29. Januar, 15.30 Uhr, 3sat
Regensburg. Aus tiefem Schlaf erwacht, Deutschland
Ausführliche Informationen zu unseren Sendungen im Januar
Dienstag, 8. Januar 2008, 23.30 Uhr, SWR Fernsehen
Doppelpack: Afrikanisches Naturerbe:
Air und Ténéré. Niemandsland in Sand und Felsen, Niger
Zwei Landschaften nebeneinander in der südlichen Sahara: Das Air ein
Gebirge, Mondlandschaft, Steinwüste, Felsenmeer, grau, schwarz,
menschenfeindlich, schroff.
Gleich daneben die Ténéré mit ihren ockerfarbenen, lieblichen Dünen von
stetig wechselnden, erotischen Formen. Vereinzelt Wadis, Täler mit
spärlicher Vegetation in denen die letzten Wüstenbewohner als Nomaden zu
überleben versuchen. Kamelkarawanen ziehen mit dem Salz der Wüste nach
Süden.
Der Film - ein Road-Movie, eine Reise durch eine Landschaft die weder
Straßen hat noch Wege. Der Film erzählt von der Wüste, die sich ständig
verändert. Sie verschiebt ihre Grenze immer weiter nach Süden. Ihr Inneres
trocknet immer weiter aus, Menschen und Tiere müssen die Wüste verlassen.
In den Oasen wird es einsam. Es bleibt allein die Schönheit der Wüste.
Buch und Regie: Albrecht Heise
Djoudj. Wasserwildnis am Rande der Sahara, Senegal
Pelikane, soweit das Auge reicht. In einer endlos erscheinenden Kette
schweben sie dicht über der Wasseroberfläche dahin. Ihr Ziel ist eine
kleine Insel inmitten der Wasserwildnis des Djoudj Vogelparks im Delta des
Senegal. Über 5000 Paare treffen sich dort im Winter zur Brut und bilden
eine der größten Vogelkolonien Afrikas, ein Naturschauspiel, das
seinesgleichen sucht. Immer wieder überqueren sie von Tamarisken gesäumte
Flussarme, die mit bunten Teppichen aus Lotusblumen überzogen sind, ein
blühendes Paradies in einem wüstenhaften Land, voller Tiere: Warzenschweine
wühlen im Ufersaum nach schmackhafter Nahrung, an jeder Flussbiegung trifft
man auf Störche und Reiher, die im flachen Wasser nach Beute Ausschau
halten.
Die kleinen Flussarme münden in große Lagunen, an denen sich Millionen
Wintergäste versammelt haben. Für die Sing- und Wasservögel aus Europa und
den Weiten Sibiriens ist der Djoudj Park überlebenswichtig, denn er bietet
eine der wenigen Möglichkeiten nach Überquerung der Sahara endlich wieder
Wasser und Nahrung aufzunehmen. So ist es nicht verwunderlich, dass der
Djoudj Park erst unter Schutz gestellt und dann von der UNESCO zum
Weltnaturerbe erklärt wurde.
Das Erbe zu bewahren war nicht einfach, denn Afrika verändert sich schnell.
Sperrwerke und Deiche am Senegalfluss hatten das Schutzgebiet von den
herbstlichen Überflutungen fast abgeschnitten. Doch mit neu errichteten
Schleusen gelang es, die Überschwemmungen wieder herzustellen. Die
einzigartige Wasserwildnis des Djoudj Vogelparks scheint heute gesichert.
Buch und Regie: Thomas Willers
Samstag, 12.Januar 2008, 06.00 Uhr, SWR Fernsehen
Das Mausoleum des Hodscha Ahemd Yasawi. Pilgerfahrt nach
Turkestan, Kasachstan
Am Rand der riesigen Steppe Kasachstans steht eine prächtige Grabmoschee.
Hier liegt ein Mann begraben, der den Kasachen heilig ist: Hodscha Ahmed
Yasawi, ein asketischer Poet, Mystiker und Religionsstifter, jener Mann der
einst den nomadischen Steppenvölkern den Islam nahe brachte. In einer Stadt
an der einstigen Seidenstrasse, dem heutigen Turkestan, hat er gelebt und
gelehrt, hier ist er auch 1146 gestorben. Ihm hat im 14. Jahrhundert
Weltenherrscher Timur ein Mausoleum bauen lassen, das die Bezeichnung
monumental wahrlich verdient. In 40 Metern Höhe thront die mächtige blaue
Kuppel. Reitern wies sie noch aus 40 Kilometer Entfernung den Weg. Timur,
der damals ganz Zentralasien und die halbe Welt beherrschte, liebte die
Macht und die Baukunst. Am Mausoleum des Volksheiligen erprobte er
Bautechnik und Dekorkunst, jenen blauen Glanz der Kuppeln, der später in
seiner Hauptstadt Samarkand erstrahlen sollte. Ahmed Yasawi ist als
"Heiliger des einfaches Volkes" bis heute hoch verehrt. Er gilt als Urvater
des Sufismus, jener Richtung des Islam, die in Mittelasien bis heute
vorherrscht. Turkestan ist der wichtigste Pilgerort der Region, von weit
her kommen die Menschen. Nach den 70 gottlosen Jahren der Sowjetzeit suchen
die Kasachen an seinem Grab des Heiligen Besinnung und kasachische
Identität.
Der Film begleitet eine kasachische Hirtenfamilie aus der Steppe bei einer
Pilgerfahrt nach Turkestan.
Buch und Regie: Bernd Girrbach
Sonntag, 13.Januar 2008, 11.00 Uhr, SWR Fernsehen
Das Orchon-Tal ? Steine, Stupas, Städte, Mongolei
Ein heiliger Fluss. Wenig erforscht und mythenumwoben durchquert er das
Herz der Mongolei. Der Orchon ist die Lebensader der Region und seine Täler
sind seit alters her Nomadenland.
Hunnen und Uiguren siedelten hier, an den Ufern des Orchon wurden
alttürkische Stammesfürsten bestattet und bis heute lebt man im Orchon-Tal
fast ausschließlich von der Viehzucht. Umso verwunderlicher, dass bereits
frühe nomadische Gesellschaften wie die Uiguren inmitten der
zentralmongolischen Grassteppe die Stadt Karabalgas bauten, ein frühes
Zentrum des Seidenstraßenhandels. Eine Stadt aus Lehm für mehr als 10 000
Bewohner, Reste der dem extremen Klima angepassten Architektur haben sich
bis heute erhalten. Karabalgas blieb nicht die einzige Stadt im Land der
Nomaden: 1235 ließ Dschingis Khan im Orchon-Tal die Hauptstadt der Mongolen
bauen, eine prachtvolle Palastanlage mit gepflasterten Strassen und
luxuriösen Empfangshallen, die Voraussetzung für den ersten mongolischen
Staat. Im Orchon-Tal lag das Verwaltungszentrum für ein Imperium, das vom
Pazifik bis zum Mittelmeer reichte. Ein internationales Team von
Wissenschaftlern sucht heute nach dem Palast des Großkhans. Vermutlich
wurde auf seinen Ruinen 1586 das erste buddhistische Kloster der Mongolei
gebaut.
Buch und Regie: Elke Werry
Sonntag, 13. Januar 2008, 21.00 Uhr, 3sat
Dienstag, 15. Januar 2008, 15.30 Uhr, 3sat
Las Médulas. Zerstörung als Schöpfung, Spanien
Der erste, faszinierende Eindruck: Die Farbe Rot. Seltsam geformte,
rotleuchtende Bergspitzen stechen in den blauen Himmel Nordwest Spaniens.
Eine bizarre Formenwelt ragt aus der gebirgigen Landschaft Asturiens: ?Las
Medulas?, ein Naturschatz als Welterbe der UNESCO.
Ein seltsames Naturphänomen, denkt der ahnungslose Besucher, doch er steht
vor einem Kunst - Werk von Menschenhand, eigentlich einem Werk der
Zerstörung. Nicht natürliche Erosion hat die merkwürdigen Kegel und Spitzen
aus einem Gemenge von roter Erde, Steinen
und Fels geschaffen, sondern menschlicher Erfindungsreichtum. High Tech vor
zweitausend Jahren.
?Ruina Montium? nannten die Römer die Bergbautechnik, mit der sie Berge in
der eroberten Provinz Terraconensis durch Wasserkraft sprengten, um an die
goldhaltigen Schichten zu gelangen. Wie mit Maulwurfsgängen wurde die Erde
durchhöhlt. Asturier im Dienst des Imperium Romanum gruben Tunnel und
Schächte, in die zerstörerischen Wassermassen geleitet wurden. Ob der
Geschichtsschreiber Plinius übertrieb, als er notierte:
?Was in Las Médulas geschieht, übersteigt das Werk von Giganten. In die
Berge werden Gänge und Stollen gegraben...monatelang sehen die Bergleute
keine Sonne und viele von ihnen sterben in den Tunneln?.
Jedenfalls geschah dies Gigantenwerk, um den Bedarf und die Gier der
römischen Herren nach dem Edelmetall, aus dem sie ihre Münzen prägten, und
Schmuck fertigen ließen, zu sättigen.
Was wir heute sehen, blieb stehen, wenn der Druck der Wassermassen die
Berge nicht vollständig zerreißen konnte, und es wirkt oft wie ein
abstraktes Kunstwerk. Doch es ist ein zugängliches Kunstwerk mit
Wanderwegen. Wer durch die Schluchten, in denen die knorrigen Stämme der
zahlreichen Esskastanien ebenfalls wie Kunstwerke erscheinen,
den Windungen der Pfade folgt, bei dem erwacht Abenteuerlust. Die gleiche
kindliche Neugier, die ein Mädchen und zwei Jungen beseelt, denen die
Kamera des SWR auf ihrer Entdeckungsreise in die geheimnisvollen Höhlen und
unheimlichen Gänge unauffällig folgt.
Und wer noch Atem hat, um die steilen Wege zur Aussichtsplattform Mirador
zu bewältigen, den erwartet bei Morgengrauen ein überwältigender Eindruck,
wenn das erste Licht die Bergspitzen trifft, und wie die ungeschliffenen
Perlen einer rotglühenden Korallenkette leuchten lässt.
Buch und Regie: Christian Romanowski
Dienstag, 15. Januar 2008, 23.30 Uhr, SWR Fernsehen
Doppelpack: Ehemalige Handelsstrassen:
Buchara. Perle an der Seidenstraße, Usbekistan
Legendär reich war einst die Oasenstadt Buchara, ein wichtiger Knotenpunkt
an der Seidenstraße und Zentrum des Islams in Zentralasien. Noch heute
schimmern die Kuppeln blau und glänzen die Fassaden der Medresen und
Moscheen.
Blau sei die erste Farbe der Stadt, sagt Tohir, Keramikermeister in
Buchara. Vom Schneiden des Tons bis zur fertigen Fayence zeigt der Film
seine Arbeit . Mit ihm erleben wir eine mittelalterliche Stadt, die kein
Museum ist.
Die Altstadt Bucharas ist intakt, und das Leben nimmt in den Gassen
zwischen den Lehmhäusern seinen gemächlichen Gang. Trotz einer langen
sowjetischen Herrschaft ist sie eine orientalische Stadt geblieben, die vom
Islam geprägt ist.
Buch und Regie: Rolf Lambert
Die Weihrauchstraße in Dhofar. Tränen der Götter, Sultanat Oman
Das aromatische Harz des boswellia sacra Baumes zählte zu den begehrtesten
Handelsgütern der antiken Welt. In Ägypten wurde Weihrauch ebenso verbrannt
wie an den Höfen indischer Maharadschas. In Rom wurde er in Gold
aufgewogen. Über Tausende von Kilometern wurde er gehandelt; es entstand
die "Weihrauchstraße".
Wie der wohl bekannteste aller Wohlgerüche des Orients gewonnen wurde und
vor allem woher genau er stammte, blieb den Abnehmern verborgen. Die
Karawanenführer bewahrten ihr Schweigen, die Produzenten wurden reich.
In der Region Dhofar im Süden des Sultanats Oman wird bis heute Weihrauch
gewonnen. In den Trockentälern ritzen Beduinen die knorrigen Bäume, um nach
einigen Tagen das Harz zu ernten; verkauft wird es im Weihrauch-Souk von
Salalah.
Von der Blütezeit des Weihrauchhandels künden indes nur noch Ruinenstädte:
Häfen wie Samharam und al-Balid verdienten am Seehandel, Oasen wie Wubar
wurden als Karawanenstationen reich und mächtig - Stationen an der
omanischen Weihrauchstraße, die nun zum Weltkulturerbe erklärt wurden.
Buch und Regie: Rolf Lambert
Sonntag, 19. Januar 2008, 06.00 Uhr, SWR Fernsehen
Córdoba ? Von der Moschee zur Kathedrale, Spanien
Die spanische Stadt Córdoba ist ein Symbol für das Miteinander und
Gegeneinander der Religionen und Kulturen. Juden, Christen und Moslems
lebten hier im Kalifat friedlich miteinander. Als Córdoba im 8. Jahrhundert
unabhängiges Emirat wurde, erbauten sich die Moslems ein neues Gotteshaus.
Damit wurde die Stadt das islamische Pilgerzentrum des Abendlandes,
außerdem Begegnungsstätte von Lehrmeistern, Dichtern und Gläubigen.
Bald nahmen die Dogmatiker des Islams zu, sie verfolgten Andersdenkende.
Aus dem Dialog der Kulturen wurde ein Kampf der Kulturen.
Im 13. Jahrhundert, nach dem Bürgerkrieg, zogen hier die katholischen
Könige Kastiliens ein. Die Moschee wurde nicht nur zur christlichen
Kathedrale geweiht, sondern auch umgebaut. Die offenen Wände wurden
geschlossen, ganze Kirchenschiffe angebaut. Mit den Königen kam auch die
Inquisition nach Córdoba, dessen Gericht im maurischen Palast Alkazar
tagte.
Die Bilder dieses Filmes verdeutlichen dieses Mit- und Gegeneinander und
führen ein in die eindrucksvolle Architektur dieser Stadt.
Buch und Regie: Ursula Böhm
Sonntag, 20. Januar 2008, 11.00 Uhr, SWR Fernsehen
Merv. Ruinenstadt an der Seidenstrasse, Turkmenistan
Inmitten der Wüste Karakum in Turkmenistan speist der Fluss Murghab eine
große Oase. In ihr wuchs ab dem 6. Jh.v.Chr. eine Weltstadt heran, die im
Mittelalter viele hunderttausend Einwohner zählte: Merv.
Legendär reich war die Oasenstadt, ein wichtiger Knotenpunkt an der
Seidenstraße, ein geistiges Zentrum der islamischen Welt. Merv erreichte
seine Blütezeit im 11. und 12. Jahrhundert als östliche Hauptstadt des
Seldschuken-Reiches, kurz bevor die Stadt auf grausame Weise unterging.
Erbaut war Merv ganz aus Lehm. Reste der dem extremen Klima angepassten
Architektur haben sich bis heute erhalten: die massiven Stadtmauern,
Palastbauten, Gebäude für Bibliotheken, Wasserspeicher und Mausoleen, die
noch heute von Pilgern besucht werden.
Die Ruinen von Merv bedecken eine Fläche von mehr als 8 qkm und bestehen
aus mehreren, im Laufe der Jahrhunderte nebeneinander erbauten Städten,
jede eine Art Zeitkapsel aus einer bestimmten historischen Epoche. Sie zu
erforschen und zu erhalten, daran arbeitet ein internationales Team von
Wissenschaftlern zusammen mit einheimischen Fachkräften.
Buch und Regie: Manfred Linke
Dienstag, 22. Januar 2008, 15.30 Uhr, 3 sat
Klöster Haghpat und Sanahin ? Zwei ungleiche Geschwister, Armenien
Armenien ist eines der ältesten Kulturvölker der Welt, dessen Wurzeln bis
in die Antike reichen. Verfolgung, Zerstörungen, Ermordung bis zum Genozid
durch die Türkei zu Beginn des 20. Jahrhunderts kennzeichnen die armenische
Geschichte. Armenien gilt als erstes Land, in dem das Christentum
Staatsreligion wurde. Der christliche Glaube ist Identifikation, Dreh- und
Angelpunkt der Armenier. Der äußere Ausdruck dafür sind Kirchen und
Klöster, die, ab dem 10. Jahrhundert, nicht allein zum religiösen, sondern
auch zum geistigen, kulturellen und teilweise auch zu politischen
Schaltstellen Armeniens wurden.
Die Klöster Haghpat und Sanahin gehören zu den wichtigsten Bauwerken
Armeniens. Gegründet wurden beide nach 960 von der Königin Chosrowanusch.
Obzwar sie einerseits zwei selbstständige Klöster waren, sind sie
geschichtlich betrachtet Geschwisterklöster mit sich ergänzenden Ensembles.
Das Kloster Haghpat war ein Wehrkloster, das über dem gleichnamigen Ort von
weitem sichtbar thront. Eingebettet in die Berg-Landschaft scheint die
Anlage als wüchse sie aus der Erde empor. Das älteste sakrale Gebäude ist
die Heilig-Kreuz-Kirche, auch Kirche vom Heiligen Zeichen genannt;
armenisch: Nshan-Kirche. Getrennt werden die beiden Klöster von der
gewaltigen Debed-Schlucht. Sie wird überspannt von einer neunzehn Meter
langen Brücke, eine technische Großtat aus dem 12. Jahrhundert und das
älteste weltliche Bauddenkmal Armeniens.
Sanahin gilt als die vollkommenste Klosteranlage Armeniens. Die Legende
erzählt, ein bedeutender Geistlicher habe der Klosteranlage den Namen
gegeben: San-a-hin, was bedeutet ?das ist älter? und zwar älter als
Haghpat. Mittelpunkt des Klosters und ein absolutes Kleinod der Baukunst:
die Bibliothek. Sie weist Sanahin als einen gewichtigen Ort des armenischen
Geistesleben aus.
Buch und Regie: Rudij Bergmann
Dienstag, 22. Januar 2008, 23.30 Uhr, SWR Fernsehen
Doppelpack: Gefährdetes Welterbe:
Die Everglades. Ein sterbendes Paradies, USA
Das aprikosenfarbene Morgenlicht tänzelt auf den silbrigen Rippenwellen,
der Morgennebel streicht träge über ein Meer von Binsengras, ein Reiher
gleitet als eleganter Schattenriss durch den Sonnenaufgang. Seit Tausenden
von Jahren das gleiche Schauspiel. Wenn die Sonne aus der Nacht
hervorbricht, erwacht das Land in den Seen von Kissimee. Das Wasser dieser
Seen ist der Ursprung einer einzigartigen Urlandschaft der Erde - den
Everglades. Nur etwa 5 Meter Höhenunterschied sind es von den
Kissimmee-Seen in Südflorida bis zum 500 Kilometer entfernten Golf von
Mexiko. 30 Meter legt das Wasser pro Tag zurück und braucht damit 40 Jahre
bis es das Meer erreicht hat.
Als die spanischen Eroberer an der Küste Südfloridas auftauchten, bemerkten
sie nicht, dass die Urlandschaft, die sie vorfanden, Teil eines
hochkomplexen selbstfließenden Wasserkreislaufs war. Das Sumpfgebiet war
gefährlich und sie hielten es für wertloses Land. 300 Jahre später, Ende
des 19. Jahrhunderts, legten Land- und Immobilienspekulanten große Flächen
des vermeintlich wertlosen Sumpfgebietes trocken. Sie ließen eigens dafür
den exotischen Melaleucabaum aus Australien einführen, der vier Mal so viel
Wasser brauchte, wie die heimischen Bäume und sich seuchenartig
ausbreitete. 1,2 Millionen Quadratmeter Feuchtgebiet wurde trockengelegt.
Gemüse- und Zuckerrohrfarmen schoben sich wie ein Riegel zwischen die
Everglades. Der Wasserkreislauf wurde jäh unterbrochen. Phosphor und
Pestizide gelangten über riesige Bewässerungsanlagen ungefiltert ins
Grundwasser. Es hat lange gedauert, bis die Menschen in Florida begriffen,
dass die Everglades das Herzstück eines Wasserkreislaufs sind, von dem das
eigene Überleben abhängt. Ein Milliardenprojekt wurde ins Leben gerufen,
das die Renaturierung der Everglades zum Ziel hatte. Riesige Pumpwerke
sollten von nun an den Wasserzufluss der Sumpflandschaft regulieren. Doch
das Paradies von einst ist fast verschwunden. 90 Prozent der Wattvögel, die
hier überwinterten, kommen nicht mehr wieder.
Viele der 1,5 Millionen Touristen, die jährlich die Sümpfe besuchen, rasen
in ohrenbetäubend lauten Airboats durch die Gräserlandschaft. Sie kommen
meist am Wochenende aus den nahegelegenen Städten Miami und Orlando, die
wie ein Keil in die Everglades gebaut wurden und ständig weiterwachsen. 850
Menschen siedeln sich täglich dort an. Sie wollen grünen Rasen um ihre
Häuser, kühle Swimmingpools und den Golfplatz in nächster Nähe. 470 Liter
Wasser verbrauchen sie pro Kopf und Tag, drei mal mehr als der deutsche
Durchschnitt.
Die Everglades sind noch immer in Gefahr. Auch wenn der Mensch jetzt bereit
ist, sich an die Gesetze der Natur zu halten. Es ist die letzte Chance für
eine einzigartige Urlandschaft der Erde - die letzte Chance der Everglades.
Buch und Regie: Marcus Vetter
Die Reisterrassen der Ifugao. Stufen zum Himmel, Philippinen
Vor rund 2.000 Jahren wurden sie angelegt, die berühmten Reisterrassen im
Norden der Philippinen. Ihre Baumeister waren die Ifugao, ein Bauernvolk,
das vermutlich aus Indonesien stammte und sich in der unwegsamen Bergwelt
der Kordilleren ansiedelte. Mühsam haben die Ifugao dem Boden ihr
Hauptnahrungsmittel abgerungen. 1.000 Arbeitsstunden pro Hektar sind die
Norm, bis heute können auf dem steilen Gelände keine Maschinen eingesetzt
werden. Alte, traditionelle Reissorten werden in einer Höhe bis zu 1.600
Metern kultiviert, auf kleinen Parzellen, die sich der Landschaft anpassen.
Ein Netz von Kanälen, Bambusrohren und Gräben durchzieht die Berge und
leitet das Wasser auf die Reisterrassen. Nur einmal im Jahr wird geerntet,
Hochertragssorten haben sich in der Region noch nicht durchgesetzt.
Der Reisanbau, einst als Partnerschaft zwischen Göttern und Menschen
betrachtet, verliert im Norden der Philippinen langsam seine Funktion. Die
1995 zum Weltkulturerbe ernannten Reisterrassen sind bedroht, denn immer
geringer wird das Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag, immer zahlreicher
wandern die Ifugao aus den Dörfern ab und wollen die mühselige Arbeit nicht
mehr verrichten. Werden die Terrassen nicht mehr bewirtschaftet, verfallen
sie schnell, was zum unwiederbringlichen Verlust dessen führt, was noch
immer ein Weltwunder genannt wird.
Buch und Regie: Elke Werry
Sonntag, 27. Januar 2008, 11.00 Uhr, SWR Fernsehen
Samarkand. Die blauen Kuppeln Timurs, Usbekistan
Im fruchtbaren Flusstal des Serafschans, im heutigen Usbekistan, liegt eine
der ältesten Städte Asiens: Samarkand. Schon im 4. Jahrhundert vor
Christus wurde die Oase von Alexander dem Großen erobert. Die Araber
erreichten Samarkand im Jahre 712, errichteten die ersten Moscheen und
Koranschulen. Samarkand entwickelte sich schnell zum zentralen
Umschlagplatz an der Großen Seidenstraße, zur Drehscheibe an der
bedeutendsten Karawanenstraße von Persien nach China. Hier kreuzten sich
Waren und Kulturen, wurden Güter aus Persien, Indien, der arabischen
Halbinsel und China umgeschlagen.
Ihre Blütezeit verdankt die Stadt aus Tausendundeiner Nacht den
Eroberungszügen eines despotischen Feldherrn, der seinen Herrschaftsbereich
vom Ganges bis zum Mittelmeer ausdehnte. Samarkand war das Zentrum dieses
Weltreiches, die Residenzstadt Timur Lenks, Timur des Lahmen. In Feldzügen
bis nach Europa und Indien ließ Timur und seine Horde Städte zerstören, die
Bevölkerung massakrieren. Die besten Handwerker und Künstler jedoch
verschleppte er nach Samarkand. Sie schufen im 14. Jahrhundert jene
atemberaubende Architektur, die Samarkands Ruf begründete, "als schönste
Stadt der Welt".
Zentrum von Samarkand wurde der Registan, das ehemalige Handwerker- und
Handelszentrum mit Karawansereien, Basaren und Koranschulen. Noch heute
zählen Samarkands gewaltige Moscheen und Mausoleen zu den schönsten
Beispielen islamischer Baukunst und die zweitgrößte Stadt Usbekistans hat
auch nach über 70 Jahren sowjetischer Herrschaft nur wenig vom Glanz der
alten Zeit verloren.
Film von Elke Werry
Sonntag, 27. Januar 2008, 21.00 Uhr, 3sat
Dienstag, 29. Januar, 15.30 Uhr, 3sat
Regensburg. Aus tiefem Schlaf erwacht, Deutschland
Heute denken wir an Bratwurst und Domspatzen. Früher dachte man an Silber
und Seide, an Heilige und gekrönte Häupter. Früher da war Regensburg noch
nicht der Ostzipfel Bayerns, sondern die Mitte.
Kloster neben Kloster zog Künstler und Wissenschaftler an, gewiefte
Kaufleute verteilten Luxusgüter in Europa und bauten hochmütig ihre
Geschlechtertürme in den blau-weißen Himmel. Und die steinerne Brücke
schwang sich stolz über die Donau - als einziger befestigter Übergang
zwischen Ulm und Wien. Kaiser zogen durch die Stadttore, um Reichstage
abzuhalten und alles, was ihnen untertan war in diesem nicht immer nur
heiligen Reich, zog mit.
Aber irgendwann lief der Handel an der Donau und Regensburg vorbei und die
bayerischen Herzöge versuchten immer wieder, der freien Reichsstadt in
ihrer Mitte die Luft zum Atmen zu nehmen. Die stolze Schöne reckte zwar
weiter ihre Türme in den Himmel, aber ringsum sah sie nur Bayernland und
keine Chance zu wachsen. In ihren Mauern tagten und tanzten noch bis 1806
die Gesandten des Reichstags und auch die Künstler und Wissenschaftler
kamen in die "multikulturelle" Stadt, aber dann senkte sich der Dämmer über
sie. So wie Regensburg mit dem Handel erst groß, dann arm geworden war, so
stieg und fiel sie mit den Machtverhältnissen im tausendjährigen Reich. Ein
Spiegel seiner wechselvollen Geschichte.
Eine Geschichte, die bis heute in mittelalterliche Gewölben begehbar ist,
sich in Türmen zuspitzt, in Innenhöfen versteckt, barocke Fassaden ziert
und sich schließlich im alten Reichstagsgebäude mit ganzem Stolz
präsentiert. Gerettet, bewahrt in einem langen Dornröschenschlaf, der
wiederum durch neue Machtverhältnisse beendet wurde: Regensburg ist zurück
in unserer Mitte, der Mitte Europas.
Buch und Regie: Eva Witte
Viel Vergnügen mit den Sendungen wünscht Ihnen:
Goggo Gensch
SÜDWESTRUNDFUNK
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