Während die Stiftung sich bei St. Wiperti bereits 1998 erstmals an der Dachsanierung beteiligte, ist die Unterstützung für den Brühl-Park eine erste Förderung der Stiftung für einen Park in der Welterbestadt.
Die Quedlinburger Wipertikirche ist das älteste Kirchenbauwerk der Region. Sie wurde bereits im 9. Jahrhundert als Kirche des Königshofes Heinrich I. gegründet. Um 1020 entstand die erhaltene ottonische Krypta als Einbau in die bestehende Kirche. Mittel- und schmale Seitenschiff der Krypta sind durch schmucklose Pfeiler und Säulen mit Pilzkapitellen und attischen Basen getrennt, die ein Tonnengewölbe tragen. 1148 wurde an der Kirche ein Prämonstratenserkloster eingerichtet. Dabei entstand die heutige dreischiffige, querschifflose Basilika. Chor und die Krypta des Vorgängerbaus wurden beibehalten. Um 1300 wurde der Chor nach Osten verlängert und erhielt seine charakteristischen gotischen Fenster.
Nachdem die Kirche 1816 verkauft und in eine Scheune umgewandelt wurde, konnte das Gebäude 1955-57 saniert und als katholische Kirche erneut geweiht werden. Erst in den 90er Jahren konnten erneut wesentliche Maßnahmen zur Bauwerkssicherung durchgeführt werden. Dabei wurden statische Schäden im Chorbereich beseitigt, die Dachkonstruktion saniert und die Dachdeckung erneuert. Nun soll dank einer zweckgebundenen Spende der Oetker-Stiftung die Sanierung des Chorraums abgeschlossen werden.
Der Brühl-Park in Quedlinburg ging aus einem Lustwäldchen des benachbarten Klosters St. Wiperti hervor, das 1179 erstmals erwähnt wird. Durch Roden von Bäumen und Sträuchern sowie Urbarmachung veränderte der Brühl im Laufe der Jahrhunderte sein Aussehen, bis er im 15. Jahrhundert seine heutigen Ausmaße erreichte. Seit der Reformation im Besitz des Damenstifts, begann Äbtissin Anna Dorothea von Sachsen-Weimar 1685 erste gartenkünstlerische Aktivitäten, durch die die Anlage ein zentrales Alleenkreuz erhielt. Die Auflösung des Stiftes zu Beginn des 19. Jahrhunderts unterbrach diese Tätigkeiten. Der Brühl unterstand nun der königlich-preußischen Oberförsterei, die umfangreiche Holzeinschläge durchführen ließ. Aufgrund heftiger Bürgerproteste schenkte König Friedrich Wilhelm III. 1817 der Stadt den Brühl. Die von den Bürgern gegründete Brühlkommission widmete sich in der Folgezeit der Anlage. Zwei Gastwirtschaften und regelmäßige Konzerte trugen viel zur Beliebtheit des Parks bei.
Der Rat betraute 1866 den Gartenkünstler Eduard Petzold mit einer umfassenden Planung für den Brühl. Es erfolgte eine Umgestaltung und Erweiterung zum Landschaftspark englischer Prägung, allerdings unter Verzicht auf die vorgesehene konsequente Auslichtung. Nach 1900 erhielt der Brühl durch zusätzliche Attraktionen vom Rehgehege über eine Schutzhütte und eine Musikmuschel bis hin zu Tennisplätzen und Planschbecken den Charakter eines Volksparks. Eine Reihe von Denkmalen ergänzen die Ausstattung des Parks. Nach 1945 erfolgten keine Veränderungen mehr.
Obwohl sich die Quedlinburger Bürger nach dem Zweiten Weltkrieg weiterhin für den Erhalt und die Pflege des Brühl-Parks engagierten, wurde die Vernachlässigung dieses wertvollen Gartendenkmals in den letzten Jahrzehnten immer gravierender. Der Park verwilderte mehr und mehr, die Wege, befestigten Flächen und Staffagebauten zeigten ein immer desolateres Bild. Im Rahmen des Projekts "Gartenträume - Historische Parks in Sachsen-Anhalt" bietet sich der Stadt nun die Möglichkeit, den Park mit einer 90%igen Landesförderung zu sanieren. Die DSD übernimmt dabei den 10%igen Eigenanteil der Stadt. Ein besonderes Anliegen der Maßnahme ist die funktionelle und gestalterische Wiederbelebung der barocken Achse, die einst vom Schlossberg durch den benachbarten Abteigarten und den Brühl bis zur Bode führte. Nach Beginn der Maßnahmen 2004 und der Wiederherstellung des Blumengartens von 1928 folgten 2006 Maßnahmen am Wegebau, an der Pflanzung der Alleen im Stern, an der nördlichen Brühlchaussee sowie Fäll- und Pflanzarbeiten für ausgewählte Teilbereiche. Nun folgen die Instandsetzung der Brücken und Geländer, der Denkmale sowie des Spielplatzes.
Mit den erneuten Förderungen hat die Deutsche Stiftung Denkmalschutz bisher über 90 Projekte allein in Quedlinburg dank privater Spenden und aus Mitteln der Lotterie GlücksSpirale unterstützen können.
Bonn, den 12. Dezember 2007/Schi
Deutsche Stiftung Denkmalschutz - Presse

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