Wo die Klarissen in Pfullingen sprechen konnten

Ungewöhnliches Denkmal der Klostergeschichte: Eines der ungewöhnlichsten Zeugnisse des Klosterlebens nördlich der Alpen, das Sprechgitter im ehemaligen Klarissenkloster in Pfullingen im Landkreis Reutlingen wird dam 30. September 2007 um 16.30 Uhr wieder eingeweiht.
Bürgermeister Rudolf Heß lädt ein zu einer Vorstellung der Sanierungsarbeiten durch den Architekten Ulrich Plathe. Eine überraschenden Spurensuche in die Literatur des 20. Jahrhunderts, in das Werk des Lyrikers Paul Celan (1920-1970), bietet anschließend die Tübinger Literaturwissenschaftlerin Dr. Barbara Wiedermann. Musikalisch gerahmt wird die Feierstunde durch die Musikschule Pfullingen.

Das ehemalige Klarissenkloster St. Cäcilien in Pfullingen wurde 1250 gegründet. Die einst ausgedehnte Klosteranlage ist allerdings nur noch in geringen Bereichen erhalten. So ist von der asketisch schmucklosen Klosterkirche nur noch der Westteil überkommen. Es handelte sich um einen einschiffigen Bruchsteinbau der Frühgotik, der nur durch Eckquaderung, Dachgesims und einfache Maßwerkfenster gegliedert ist. Am Westgiebel und an der Südwand lassen sich noch die Ansätze des Kreuzgangs erkennen. Im Innern finden sich noch Reste der bauzeitlichen, rein ornamentalen Ausmalung.

Nördlich der Kirche befindet sich in einer Mauer - mit später aufgesetztem Schutzdach - das sogenannte frühgotische Sprechgitter. Dabei handelte es sich um die ursprünglich einzige Verbindungsmöglichkeit der Nonnen mit der Außenwelt. Über dem Sprechgitter ist auf beiden Seiten eine doppelte Blendarkade angeordnet, die an der Nordseite zusätzlich dreipaßförmig verziert ist. Das Sprechgitter selbst besteht aus gelochten Blechen in Eisenträgern.

Östlich grenzt das Waschhaus an, ein eingeschossiger Bau mit Zeltdach aus dem 18. Jahrhundert, in den Mauerteile des ausgehenden 13. Jahrhunderts integriert sind. Nach der Renovierung der letzten Monate bilden Waschhaus und Sprechgitter nun ein reizvolles Ensemble in einem anmutigen Garten. Gefördert wurden die Arbeiten auch von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, die 2006 allein 80.000 Euro zur Verfügung stellen konnte. Damit ist das ehemalige Klarissenkloster Pfullingen eines von über 120 Denkmalen, die die private Bonner Denkmalschutz-Stiftung allein in Baden-Württemberg Dank privater Spenden und den Mitteln der Lotterie GlücksSpirale unterstützen konnte.

Bonn, den 27. September 2007/Schi
Deutsche Stiftung Denkmalschutz - Presse

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