Villa Büchner in Pfungstadt wird Haus der Begegnung

Fördervertrag für ehemalige Fabrikantenvilla: Anlässlich eines Ortstermins des Magistrats in der ehemaligen Fabrikantenvilla Büchner übereicht Sigrid Volk, Ortskuratorin Pfungstadt der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, am 27. November 2007 an Bürgermeister Horst Baier einen Fördervertrag.
Damit stehen 50.000 Euro für die laufende Sanierung der Villa in der Uhlandstraße in Pfungstadt zur Verfügung, in der zukünftig ein "Haus der Begegnung und betreuten Bildung" eingerichtet wird.

Der Ultramarinfabrikant und spätere Politiker Wilhelm Büchner, ein jüngerer Bruder des Dichters Georg Büchner, ließ 1864 westlich von seinen Fabrikgebäuden in Pfungstadt eine Villa errichten. Das als Wohnung für die Familie gedachte Anwesen lag inmitten eines neu angelegten Gartens und wurde von dem Darmstädter Architekten Balthasar Harres errichtet. Zu dem Ensemble gehörte auch ein Herrenhaus und ein Schweizerhaus.

Das schlichte Äußere der Villa wurde durch aufwendige Ausstattung im Inneren ergänzt. Im Hochparterre lagen die repräsentativen Empfangs- und Gesellschaftsräume. Durch das Hauptportal gelangte man in ein mit Mettlacher Fliesen gestaltetes Vestibül. Herrenzimmer, Speise- und Gesellschaftssaal sind mit aufwändigen Stuckaturen, Pilastern, Bögen und Profilstäben geschmückt.
Im ersten Obergeschoss waren die Privaträume der Familie angeordnet. Hier befand sich das getäfelte Familienspeisezimmer. Boudoir, Tochterzimmer, Wohnzimmer, Schlaf- und Gouvernantenzimmer vervollständigten die großbürgerliche Wohnsituation. Aufwendiger Stuck, Türen mit aufgemalter Holzmaserung, Deckenfriese, Gemälde, Spiegel und Lamberien dokumentieren den Repräsentationswillen des Erbauers. Mit Toiletten auf den Treppenabsätzen, der Küche im Keller und einem Speisenaufzug entsprach die Villa dem neuesten bautechnischen Standard.

Die qualitätsvolle Villa mit ihrer noch erhaltenen wertvollen wandfesten Ausstattung stellt ein seltenes Beispiel historistischer Baukunst im Kreis Darmstadt-Dieburg dar und ist von besonderer Bedeutung für die Geschichte der großbürgerlichen Wohnkultur aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Nachdem das Haus 1918 an die "Hassia Schokoladenfabrik" verkauft wurde, stand es mehrere Jahrzehnte leer. Seit 1933 im Besitz der Stadt, wechselten die Nutzungen: Reichsarbeitsverwaltung, Vermietung als einzelne Wohnungen, Unterbringung von obdachlosen und ausgebombten Familien nach dem Krieg und Leerstand in den letzten 20 Jahren haben das Gebäude gezeichnet. 1985 kam es zu einem Brandschaden.

Nun will die Stadt das Haus restaurieren und kulturell nutzen. Die Fördermittel der Deutschen Stiftung Denkmalschutz stehen für die Restaurierung der historischen Innenräume zur Verfügung. Damit zählt die Villa Büchner zu den inzwischen über 75 Förderprojekten der Deutschen Stiftung Denkmalschutz allein in Hessen. Aus privaten Spenden und Mitteln der Lotterie GlücksSpirale konnte die private Bonner Denkmalschutz-Stiftung bundesweit bisher über 3.200 bedrohte Denkmale mit mehr als 390 Millionen Euro unterstützen.

Bonn, 26. November 2007/Schi
Deutsche Stiftung Denkmalschutz - Presse

Villa Büchner in Pfungstadt wird Haus der Begegnung
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