Sonntag, 11. März 2007, 21.00 Uhr, 3sat
WH: Dienstag, 13. März 2007, 15.30 Uhr, 3sat
Air und Tenére, Niemandsland in Sand und Felsen, Niger
Montag, 12. März 2007, 21.45 Uhr, 3sat
Die Wasserfälle des Iguazu, Argentinien und Brasilien
Dienstag, 13. März 2007, 21.45 Uhr, 3sat
Serengeti. Land der Schöpfung, Tansania
Dienstag, 13. März 2007, 23.30 Uhr, SWR Fernsehen
Welterbe Rumänien, Das Kloster Horezu und die Wehrkirche von Biertan
Donnerstag, 15. März 2007, 21.45 Uhr, 3sat
Galápagos - Der Garten Eden, Ecuador
Sonntag, 18. März 2007, 11.00 Uhr, SWR Fernsehen
Die Radiostation Grimeton. Stimmen des Stroms, Schweden
Sonntag 18. März 2007, 21.00 Uhr, 3sat
Wh: Dienstag 20. März 2007, 15.30 Uhr, 3sat
Öland. Blumenpracht auf kargem Fels, Schweden
Dienstag 20. März 2007, 23.30 Uhr, SWR Fernsehen
Burgen und Berge im Tessin. Bellinzona und Monte San Giorgio, Schweiz
Sonntag 25. März 2007, 11.00 Uhr, SWR Fernsehen
Die Altstadt von Trogir. Ein geordnetes Labyrinth, Kroatien
Sonntag 25. März 2007, 21.00 Uhr, 3sat
Wh: Dienstag 27. März 2007, 15.30 Uhr, 3sat
Erbe der Menschheit: Robben Island, Südafrika
Dienstag 27. März 2007, 23.30 Uhr, SWR Fernsehen
Von Majestäten und Wikingern. Der Geiranger Fjord und Thingvellir, Norwegen
und Island
Ausführlichen Informationen zu den Sendungen:
Sonntag, 4. März 2007, 11.00 Uhr, SWR Fernsehen
Valparaiso. Eine Stadt wie ein Regenbogen, Chile
"Du bist ein Regenbogen vielfältiger Farben, Valparaiso, du großer
Hafen..." diesen Vers widmete der Dichter Pablo Neruda seiner Heimatstadt.
Ja, es sind die Farben, die zuerst ins Auge fallen, wenn man vom Pazifik in
den Hafen des Welterbes einläuft, die Altstadt von Valparaiso. Die Farben
der Häuser, hemmungslos leuchtend. Meist kleine Häuser. Sie scheinen die 27
Hügel, welche die weite Bucht begrenzen, hinauf zu wachsen. Häuser, die
sich oft nur mit dem kleinen Finger am äußersten Rand festzukrallen, sich
manchmal auch über den Abgrund hinauslehnen. Und natürlich sind nicht alle
leuchtend, doch zum Regenbogen gehören hier auch die abblätternden und
rostigen Farbtöne. Die Liebe der Einwohner zu ihrer Stadt, die sie in
Liedern leidenschaftlich besingen, läßt diese schön erscheinen. Valparaiso
ist es unter strengem kunstgeschichtlichen Blick nur beschränkt. So gibt es
kaum ein architektonisch herausragendes, altes Gebäude. Vor einhundert
Jahren verwüstete ein schreckliches Erdbeben das 'Paradies Tal', zerstörte
die Stadt.
Paradies Tal, so hatten die Spanier die von Indianern bewohnte Bucht an der
Pazifikküste genannt, die sie 1536 entdeckten und in Besitz nahmen. Sie
bauten eine Kirche auf dem schmalen Uferstreifen, das Kreuz wurde zum
Siegeszeichen. Um die Iglesia La Matriz wuchs die Altstadt, die heute
Welterbe ist - Welterbe mit Erblasten. Atemberaubend steil sind hier die
Sträßchen, die sich hinter der alten Kirche, die jetzt natürlich nicht mehr
wirklich alt ist, auftürmen. Endlos scheinen die Treppen zu steigen und zu
fallen. Man braucht als Bewohner der Cerros, der Hügel, einen langen Atem,
und auch, wenn man als Besucher die Aussicht genießen will. Neruda hat den
Aufstieg zu poetischer Prosa komprimiert: ?Wie viele Treppen, wie viele
Stufen, wie viele Füße auf den Stufen, wie viele Jahrhunderte von
Schritten, treppauf, treppab... 'Treppenstufen' sind dichterisch natürlich
ergiebig, doch die Einheimischen bevorzugen, wenn es geht, den Fortschritt:
Aufzüge, Ascensores. Sie sind seit Ende des 19. Jahrhunderts zu einem
Wahrzeichen der Stadt geworden.
Von den ehemals 30 Ascensores sind heute noch 15 in Betrieb und erleichtern
den Weg von der Talsohle, in der sich der Verkehr staut, bis zur ersten
Hügelterrasse. Mit leichtem Unbehagen und Herzklopfen besteigt man das
erste Mal die kleinen, verglasten Holzkabinen, die von Winden mit
Stahlseilen schwindel-erregend steil zwischen den Häusern, oft auch über
Strassen hinweg, in die Höhe gezogen werden. Doch wenn sich dann das
Panorama Valparaisos vor dem Blick auftut, hat das Herzklopfen nichts mehr
mit Unbehagen zu tun. Und das Auge berauscht sich am verwirrenden
Gesamtbild dieser lebhaften Hafenstadt, die sich zum Weltmeer öffnet, und
vor allem dem Leben weit offen steht.
Buch und Regie: Christian Romanowski
Sonntag, 4. März 2007, 21.00 Uhr, 3sat
Wh: Dienstag 6. Februar 2007, 15.30 Uhr, 3sat
Macau. Insel des Glücks, China
Die Halbinsel Macau im südchinesischen Meer hat die Form einer Krabbe. In
der chinesischen Symbolik ist dies ein deutliches Zeichen für Glück. Seit
Macau besteht, haben hier Menschen ihr Leben und Vermögen auf's Spiel
gesetzt. Früher waren es Seefahrer und Abenteurer, Missionare und
Geschäftsleute, heute sind es Glücksritter und Spieler. Das Roulette-Rad
steht in Macau nie still, die Stadt gilt als das Las Vegas von Asien.
Als Anfang des 16. Jahrhunderts Seefahrer aus Portugal im Perlflussdelta
ankerten, fanden sie nur eine kleine Siedlung, in der Fischer zu ihrer
Glücksgöttin A-Ma beteten. Auf fremdem, südchinesischem Boden richteten sie
einen Stützpunkt ein. Es war der erste in Fernost. Mandarine aus Kanton
genehmigten die Niederlassung der Portugiesen, gaben ihnen einen exklusiven
Pachtvertrag. Bald wuchs der kleine portugiesische Handelsstützpunkt zu
einer Drehscheibe zwischen Ost und West, in der Seide und Silber,
Sandelholz und Porzellan in alle Welt verschifft wurden. Macau wurde
Sammelpunkt für exotische Waren, aber auch für Missionare und
abendländische Kultur.
1999 wurde Macau an China zurückgegeben, ist wie die Schwesterstadt
Hongkong wirtschaftliche Sonderverwaltungszone. Längst hatte sich die
portugiesische Enklave zu einer chinesischen Metropole entwickelt, dicht
besiedelt und modern. Aber Macau ist anders als andere chinesische
Großstädte. Es hat das Erbe des Seefahrer-Reiches Portugal erhalten:
prachtvolle Händlervillen, schmucke Barockkirchen, abendländische Kultur
und Lebensart. Das Geschäft mit dem Glücksspiel, das schon 1847 legalisiert
wurde, hat dazu beigetragen, die glanzvolle Vergangenheit zu pflegen. Der
Reiz der Stadt besteht in dem Neben- und Miteinander von Ost und West, von
zwei Kulturen, die sich über fast ein halbes Jahrtausend vermischten und
aufeinander einwirkten.
Buch und Regie: Elke Werry
Dienstag, 6. Febuar 2007, 23.30 Uhr, SWR Fernsehen
Wh: Sonntag, 11. März 2007, 11.30 Uhr, SWR Fernsehen
Griechische Inseln. Rhodos und Delos
Rhodos war, nach dem Rückzug aus dem Heiligen Land, über 200 Jahre der
östliche Vorposten der Christenheit. Der Kreuzritterorden der Johanniter
hatte sich auf die Festung zurückgezogen und die Stadt zu einer beinahe
uneinnehmbaren Festung ausgebaut. Dienen und Kämpfen lautete der Wahlspruch
der Ritter. Unter dem Deckmantel eines päpstlich sanktionierten Kampfes
gegen die Ungläubigen machten die Schiffe des Ordens das östliche
Mittelmeer unsicher, verkauften deren moslemische Besatzungen in die
Sklaverei und mehrten gleichzeitig den Reichtum des Stützpunktes.
Die Johanniter waren aber andererseits auch hingebungsvolle Krankenpfleger,
hatten auf der Insel das bestorganisierteste Hospitalwesen des Mittelalters
aufgebaut. Mit diesem 'Dienst am Herrn' retteten sie Tausenden von
Jerusalempilgern, die geschwächt und krank von den Strapazen aus dem
Heiligen Land in Rhodos Zwischenstation machten, vor einem sicheren Tod.
Genauso wurden aber auch Muslime und Juden gepflegt.
Der Film versucht, über die historischen Gebäude und Befestigungsanlagen
ihre einstige Funktion wieder erkennbar zu machen. Die Aufteilung des
Ordens in sprachliche 'Zungen' wird an den Herbergen der beteiligten Länder
in der Ritterstraße besonders deutlich, vermittelt auch etwas von der
Länder übergreifenden Zusammenarbeit der Ritter.
Für die Osmanen ist Rhodos eine Provokation. Sie planen die Eroberung.
Unter welchen strategischen Kriterien würden Kundschafter des Sultans die
Befestigungsanlagen inspizieren? Im Film wird diese Sehweise aufgegriffen,
wird zum Streifzug durch eine hochgerüstete Stadt. An der Übermacht der
Osmanen und am fehlenden Nachschub für die Belagerten scheitert die
Verteidigung der Kreuzritter. Am ersten Tag des Jahres 1523 verlassen sie
die Insel, Rhodos wird türkisch.
Die Göttin Letho soll hier ihren Sohn Apollon zur Welt gebracht haben.
Delos, die kleinste Insel der Kykladen, ist deshalb Stätte für das größte
Apollonheiligtum Griechenlands. Über viele Jahrhunderte hinweg war die
Insel Ort der Verehrung, und drei Tempel sind dem Gott des Lichts, der
Weisheit, und der Dichtkunst gewidmet.
Um die Kultstätten herum befindet sich eine Stadt, die zur Blütezeit der
hellenistischen Kultur groß und reich war. Noch heute kann man in den Böden
der Häuser in prächtigen Farben leuchtende Mosaike bewundern, welche von
Göttern und Menschen erzählen. Die Insel war der letzte und beste
Ankerplatz, bevor die Segler nach Asien ablegten und profitierte so als
wichtiger Handelsort.
Man findet hier Spuren menschlicher Kultur von bis zu fünftausend Jahren
vor unserer Zeit. Der Film entführt uns in eine Welt voller Götter und
Mythen auf die Insel, wo der Überlieferung nach weder geboren noch
gestorben werden darf.
Ein Film von Rüdiger Lorenz und Jörg Jeshel
Sonntag, 11. März 2007, 21.00 Uhr, 3sat
WH: Dienstag, 13. März 2007, 15.30 Uhr, 3sat
Air und Tenére, Niemandsland in Sand und Felsen, Niger
Zwei Landschaften nebeneinander in der südlichen Sahara: Das Air ein
Gebirge, Mondlandschaft, Steinwüste, Felsenmeer, grau, schwarz,
menschenfeindlich, schroff.
Gleich daneben die Ténéré mit ihren ockerfarbenen, lieblichen Dünen von
stetig wechselnden, erotischen Formen. Vereinzelt Wadis, Täler mit
spärlicher Vegetation in denen die letzten Wüstenbewohner als Nomaden zu
überleben versuchen. Kamelkarawanen ziehen mit dem Salz der Wüste nach
Süden.
Der Film - ein Road-Movie, eine Reise durch eine Landschaft die weder
Straßen hat noch Wege. Der Film erzählt von der Wüste, die sich ständig
verändert. Sie verschiebt ihre Grenze immer weiter nach Süden. Ihr Inneres
trocknet immer weiter aus, Menschen und Tiere müssen die Wüste verlassen.
In den Oasen wird es einsam. Es bleibt allein die Schönheit der Wüste.
Buch und Regie: Albrecht Heise
Montag, 12. März 2007, 21.45 Uhr, 3sat
Die Wasserfälle des Iguazu, Argentinien und Brasilien
Auf einer Breite fast dreimal so groß wie die Niagarafälle stürzen die
Wassermassen hier in die Tiefe, und von weitem schon tönt es wie ein
Erdbeben. Die Tröpfchenatmosphäre schimmert in allen Regenbogenfarben.
Iguazú bedeutet in der Sprache der Guaraní-Indianer "große Wasser".
Zu beiden Seiten des Stromes erstreckt sich ein Naturpark. Dort hält sich
bis heute eines der vielfältigsten Ökosysteme der Erde. Die gewaltige
Sprühnebelwolke der Wasserfälle versorgt die gesamte Umgebung mit dem
notwendigen Nass.
Unüberschaubar groß ist die Artenvielfalt hier. Schmetterlinge, Vögel und
unzählige verschiedene Pflanzen nähren sich aus den enormen Wassern.
Besonders von der argentinischen Seite her bietet sich dem Besucher eine
unvergessliche Szenerie.
Buch und Regie: Christian Romanowski
Dienstag, 13. März 2007, 21.45 Uhr, 3sat
Serengeti. Land der Schöpfung, Tansania
Serengeti, schon der Name weckt die Sehnsucht nach einer intakten Natur.
Weite Ebenen, Savannen, Salzseen und Akazienwälder. Es ist ein einmaliges
Naturschauspiel im Wechsel von Trockenzeit und Regenzeit.
Der Film beobachtet die riesigen Gnuherden auf ihrer Suche nach Wasser. Sie
werden begleitet von Zebras, Gazellen und Antilopen. Auch die Raubtiere,
wie Löwen und Geparden zieht es an die Wasserstellen der Savanne. Die
Serengeti bietet auch Lebensraum für große Säugetiere, für Elefanten und
Giraffen. Der Film verfolgt einen Tag lang das Treiben in der Grassteppe
und versucht das einzigartige Wechselspiel von Natur- und Tierwelt erlebbar
zu machen.
Buch und Regie: Jens Dücker
Dienstag, 13. März 2007, 23.30 Uhr, SWR Fernsehen
Welterbe Rumänien, Das Kloster Horezu und die Wehrkirche von Biertan
Der Bauherr selber, Constanin Brincovan, erzählt uns in diesem Film die
Geschichte seines Klosters. Es steht ganz im Westen der Walachei, am Fuße
der Karpaten, und es hat Kunstgeschichte gemacht. Schon zu Beginn seiner
Amtszeit ließ sich der Barockfürst dieses Denkmal setzen.
Ende des 17. Jahrhunderts gebaut, vereinigt es Stile ganz verschiedener
Herkunft. Byzantinischer Prunk und die klare Linienführung
norditalienischer Renaissance durchdringen sich hier.
Das Kloster wurde somit zum ersten und vielleicht sogar besten Beispiel des
"Brincovan-Stils", welcher sich später an vielen Stellen Osteuropas
wiederfinden sollte.
Aus der Not heraus, ihre Stadt vor den vielen Angriffen schützen zu wollen,
denen die Bürger ausgesetzt waren, entstand das Bemerkenswerte dieser
Stätte. Bierthälm in Siebenbürgen befestigte seine Kirche, denn das Geld
fehlte, die ganze Stadt mit einer Wehranlage zu umgeben. Der Bau der drei
Verteidigungsringe wurde vor etwa 500 Jahren begonnen. Damals bedrohten
Türken und Mongolen die Siedler.
Da es auf dem Kirchberg keine natürlichen Wasserquellen gab, gruben die
Bierthälmer unterirdische Gänge, durch die sie in Belagerungszeiten in die
Stadt gelangen konnten, um dort aus den Brunnen zu schöpfen.
Aber neben den eindrucksvollen Verteidigungsmauern fällt auch der Hochaltar
der Kirche ins Auge. Das Werk, in dessen Mittelfeld eine Kreuzigung zu
sehen ist, füllt die gesamte Chorwand.
Außer diesen Schönheiten vermittelt uns der Film aber auch die
Schwierigkeiten, denen die Bürger der Stadt begegneten, wenn sie wieder
einmal für Wochen in den eigenen Schutzmauern gefangen saßen.
Ein Film von Martin Gessmann
Donnerstag, 15. März 2007, 21.45 Uhr, 3sat
Galápagos. Der Garten Eden, Ecuador
Karg und bizarr ragen die Vulkane des Galápagos-Archipels aus den Fluten
des Pazifischen Ozeans. Über 300 Fischarten bevölkern das Meer rund um die
Inseln. Hier entstanden unter einzigartigen Bedingungen neue Lebensformen.
Ein Abbild des "Garten Eden" hoffte Charles Darwin auf Galápagos zu finden.
Er war ausgezogen, um die biblische Schöpfungsgeschichte zu beweisen. Was
er fand, belehrte ihn eines Besseren. Die abgeschlossene Tier- und
Pflanzenwelt auf Galápagos zeigt, dass sich das Leben ständig verändert.
Alle Lebewesen unterliegen einer von ihrer Umwelt beeinflußten Evolution.
Der Film beobachtet die Schildkröten, denen der Archipel seinen Namen
verdankt, Galápagos und er zeigt den einzigartigen Tierreichtum der Inseln.
Buch und Regie: Wolfgang Katzke
Sonntag, 18. März 2007, 11.00 Uhr, SWR Fernsehen
Die Radiostation Grimeton. Stimmen des Stroms, Schweden
Die Radiostation in Grimeton bei Varberg an der schwedischen Südwestküste
war einmal ein Meilenstein auf dem Weg zur weltumspannenden Kommunikation.
Zusammen mit zwanzig weiteren Anlagen dieser Art bildete sie ab 1925 ein
globales Funknetzwerk. Heute ist Grimeton der einzige, noch erhaltene und
funktionierende Längstwellensender, dessen gesamtes Ambiente aus den 1920er
Jahren komplett vorhanden ist. Weshalb die Station 2004 in die
Welterbe-Liste der UNESCO aufgenommen wurde.
Dass damals vor 80 Jahren König Gustaf V. persönlich das Gebäude einweihte,
unterstreicht die Bedeutung dieser neuen Kommunikationsmöglichkeit für
Schweden. Den Anstoß zum Bau der Funkstation gab neben den Erfahrungen mit
leicht zerstörbaren Land- und Seekabeln im Ersten Weltkrieg eine
Emigrationswelle gigantischen Ausmaßes. Abertausende von Schweden suchten
Ende des 19. Jahrhunderts ihr Glück im Land der angeblich unbegrenzten
Möglichkeiten. Da es oft ein Abschied für immer werden sollte, bekam die
Verbindung mit den Daheimgebliebenen per drahtloser Telegraphie für viele
existentielle Bedeutung.
Die Entdeckung der elektromagnetischen Wellen und ihrer drahtlosen
Ausbreitung im Raum läutete eine Sternstunde der Nachrichtentechnik ein,
die einer Revolution gleich kam. Zahlreiche Funkpioniere haben sie
vorbereitet, dem italienischen Physiker und Nobel-Preisträger Guglielmo
Marconi gelang dann 1895 die erste drahtlose Funkverbindung über den
Atlantik. Der schwedische Elektroingenieur Ernst F.W. Alexanderson
konstruierte schließlich eine Maschine, die den Langwellen jenen Schwung
verlieh, der sie zum lichtschnellen Lauf um den Erdball beflügelte. Die
nach ihm benannte Maschine heißt Alexanderson-Sender und thront bis heute
als technisches Denkmal mitten in der Radiostation Grimeton.
Buch und Regie: Christina Brecht-Benze
Sonntag 18. März 2007, 21.00 Uhr, 3sat
Wh: Dienstag 20. März 2007, 15.30 Uhr, 3sat
Öland. Blumenpracht auf kargem Fels, Schweden
Verlässt man das schwedische Festland mit seinen dichten Wäldern auf der
Kalmarsundbrücke gen Osten, begibt man sich schlagartig in eine andere,
fast fremdartige Welt. Fast endlos zieht sich Stora Alvaret hin. Die
baumlose große Felsebene im Süden Ölands ist eine der bizarrsten
Landschaften Nordeuropas, ein extremer und nur schwer zu besiedelnder
Lebensraum. An den meisten Tagen im Jahr weht ein unablässiger Wind über
sie hinweg. An vielen Stellen tritt nacktes Gestein zu Tage. Eisige Stürme
begraben im Winter die Alvar unter Eis und Schnee, während sie im Frühjahr
an vielen Stellen unter Wasser steht. Und schon zeitig im Sommer liegt
brütende Hitze über dem Land, lässt alles im Staub versinken.
Doch wie durch Zauberhand verwandelt sich Stora Alvaret immer wieder in
einen Blumengarten. Es ist ein Frühling fast wie am Mittelmeer. An
trockeneren Stellen Wiesen voller Orchideen im Wechsel mit Küchenschellen
und Sonnenröschen. An feuchten Stellen kleine Moore, dort wiegen sich
Wollgräser sanft im Wind. Und überall erklingt der melancholische Ruf der
Goldregenpfeifer, in einer Landschaft, jetzt voller Leben.
Trotz der Widrigkeiten wurde die Alvar schon früh von Menschen besiedelt.
Waren es zunächst große Trutzburgen, in denen sie wohnten, kamen später
Streusiedlungen und in der fruchtbareren Küstenebene Reihendörfer hinzu.
Dort wurde neben Gemüse vor allem Getreide angebaut und in hölzernen
Bockwindmühlen gemahlen. Ihren bescheidenen Wohlstand erwirtschafteten die
Öländer vor allem durch Vieh, das sie auf die unfruchtbare Alvar trieben.
Und selbst dem Fels konnten sie, wenn auch mit großen Mühen, noch etwas
abgewinnen, denn gebrochen war der Kalkstein als Baumaterial im ganzen
Ostseeraum begehrt. In Genügsamkeit und kluger Anpassung verstanden sie es,
mit der kargen Alvar zu leben, einer archaischen Landschaft, die sich über
Jahrtausende fast unverändert erhalten hat.
Buch und Regie: Thomas Willers
Dienstag 20. März 2007, 23.30 Uhr, SWR Fernsehen
Burgen und Berge im Tessin. Bellinzona und Monte San Giorgio, Schweiz
Südlich des St. Gotthardpasses ist von der Autobahn aus die markante
Silhouette von Bellinzona mit den ?Tre Castelli? sichtbar. Die drei
mittelalterlichen Burgen mit der Sperrmauer sind die imposanten Wahrzeichen
der Hauptstadt der schweizerischen Sonnenstube, dem Kanton Tessin. Weil
diese Festungen ein einzigartiges Beispiel einer spätmittelalterlichen
Verteidigungsanlage am Fuß eines strategisch wichtigen Alpenpasses sind,
hat die UNESCO Bellinzona auf die Welterbeliste gesetzt.
Bellinzona war ein wichtiger Stützpunkt der Mailänder Herzöge, die
Talsperre bot Schutz vor den kriegerischen Truppen der Eidgenossen und
hatte als "Schlüssel und Tor nach Italien" europäische Bedeutung bis zum
Beginn des 16. Jahrhunderts.
Doch Bellinzona ist kein Burgenmuseum. Die inzwischen weltberühmte Tessiner
Architektur hat hier ihren Ursprung. Im Stadtbild vermischt sich moderne
Architektur mit dem mittelalterlichen Bauwerk, Alt und Neu wird zur
Einheit. Mit der Restaurierung der größten Burg, des mitten in der Stadt
auf einem Felskopf stehenden Castelgrande, sollte nicht die militärische
Festung als Festung erhalten, sondern den heutigen Bedürfnissen der
Menschen angepasst werden.
Bellinzona ist heute zu einem Wallfahrtsort für Freunde der modernen
Architektur geworden. Die Stadt wird aber ihren lombardischen Charakter und
ihr mediterranes Flair nie verlieren und die ursprünglichste Stadt im
Kanton Tessin bleiben.
Der Reichtum und die Vielfalt der versteinerten Überreste des Lebens auf
der Erde ist am Monte San Giorgio weltweit einmalig. Die UNESCO hat diesen
Berg im Grenzgebiet zwischen der Schweiz und Italien im Jahr 2004 als
grenzüberschreitende Welterbestätte auf die Liste des Weltnaturerbes
gesetzt. Pyramidenförmig ragt der Monte San Giorgio aus dem Luganer See und
ist 1096 Meter hoch. Die ruhige Schönheit dieses Bergs ? mit der Weite der
reizvollen Umgebung und dem Blick bis in die Alpen ? war immer auch ein Ort
für Einsiedler, ein Krafthort und ein Ort der Besinnung. Der Berg birgt die
Geheimnisse der Urgeschichte des Lebens auf der Erde von vor mehr als
zweihundert Millionen Jahren, also auch die Geschichte unserer eigenen
Herkunft als Menschen.
Die ersten Funde von versteinerten Meeressauriern, die aus der Zeit der
mittleren Trias stammen, wurden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts
gemacht. Das Potenzial dieser Fundstätte ist noch lange nicht ausgeschöpft.
Heutige Grabungen nach über zweihundert Millionen Jahren alten Fossilien
können Unbekanntes enthüllen, neue Funde können Lücken schließen im Wissen
der Entwicklungsgeschichte des Lebens auf der Erde. Diese Fossilien sind
für die Wissenschaft wertvolle Schätze und Zeugen der Urgeschichte unseres
Lebens. Aber auch das Gestein am Monte San Giorgio, die über die Millionen
Jahre abgelagerten feinsten Kalkschichten sind Beweise vergangener Zeit.
Ist nun das, dem wir im Film begegnen, Beweis für die Vergänglichkeit oder
für die Unvergänglichkeit ? Zeuge für die Unendlichkeit oder für die
Endlichkeit des Lebens auf der Erde?
Film von Werner Zeindler
Sonntag 25. März 2007, 11.00 Uhr, SWR Fernsehen
Die Altstadt von Trogir. Ein geordnetes Labyrinth, Kroatien
Man braucht eine Spürnase, um sich im Gewirr der Gassen dieser kleinen
dalmatinischen Stadt auf einem winzigen Inselchen zurechtzufinden. So, wie
sie Rocco besitzt. Rocco ist 40 Zentimeter hoch, beige-weiß gescheckt, hat
einen verträumten Blick, und ist ein Hund. Eines Tages war er in Trogir
aufgetaucht und ist geblieben. Wie einst, vor dreizehnhundert Jahren, in
dem damals zum byzantinischen Reich gehörendem Ort, Fremde erschienen
waren, hier sesshaft wurden, und die Herrschaft in der Stadt übernahmen.
Ein slawischer Stamm, Kroaten. Sie nannten das im dritten vorchristlichen
Jahrhundert gegründete Tragurion, Trogir.
Wahrzeichen der kleinen Hafenstadt ist heute die Kathedrale. Weithin
sichtbar überragt ihr Turm das Dächermeer. Er diente den Schiffen und
Booten auf der Adria, die einen geschützten Hafen suchten, als Wegweiser.
Trogir konnte sich seit dem Altertum zu einer erfolgreicher Handelsstadt an
der dalmatinischen Küste entwickeln.
Am Turm der Kathedrale kann man den ehemaligen Wohlstand der kleinen Stadt
ablesen. Eines heute renovierungs - bedürftigen Wohlstands. Baugerüste
zeigen, dass der Denkmalschutz sich um den Erhalt dieses herrlichen
Kirchenbaus, dessen romanisches Portal zu einer der Sehenswürdigkeiten
Kroatiens zählt, sorgt.
Wer den Aufstieg zur Turmspitze wagt, kann aus der Höhe das Gassengewirr
als ein geordnetes Labyrinth überblicken. Trogir weist im kleinen Format
alle Elemente eines unabhängigen Stadtwesens auf. Nicht nur die Türme der
verschiedenen Kirchen zeigen die Fülle architektonisch sehenswerter
Bauwerke an. Unter der Dächern manches ehemaligen Palastes sind Schätze
verborgen, die von der Hochkultur des Ortes zeugen.
Doch der eigentliche Schatz dieses Ortes ist kein einzelnes Bauwerk, so
bedeutend es auch sein mag, sondern die Fülle der verschiedenen Eindrücke.
Man kann Trogir nur mit Füssen entdecken. Erst dann erschließt sich der
Charme dieser mittelalterlichen Kleinstadt in ihrer fast unverfälschten
Geschlossenheit. An jeder Kreuzung der winzigen Strassen mit dem immer
unterschiedlichen Pflaster verlocken den Besucher alte Hausfassaden und
verborgene Winkel, so dass er nicht weiß, welchen Weg er einschlagen soll.
So ist es vielleicht keine schlechte Entscheidung, sich der Spürnase Roccos
anzuvertrauen, wenn er, wie er das täglich tut, sein Revier durchstreift.
Buch und Regie: Christian Romanowski
Sonntag 25. März 2007, 21.00 Uhr, 3sat
Wh: Dienstag 27. März 2007, 15.30 Uhr, 3sat
Erbe der Menschheit: Robben Island, Südafrika
"Dies ist die Insel. Hier werdet ihr sterben!" Mit diesen Worten wurde
Nelson Mandela 1963 auf Robben Island empfangen. Aber Nelson Mandelas
Widerstandkraft wurde auch von 27 Haftjahren nicht gebrochen. Und mit ihm
waren fast alle führenden schwarzen Oppositionellen auf Robben Island
interniert.
Robben Island bedeutete schwarz und weiß. Ohne Grauzone. Schwarz, das waren
die Häftlinge. Weiß, das waren die Wärter. Den ganzen Tag arbeiteten die
politischen Gefangenen in den Steinbrüchen der kargen Insel. Geduldig
eroberten sie Freiräume, sie bekamen lange Hosen, Betten statt Strohmatten,
sie begannen zu studieren. Aber täglich blieben sie mit der Willkür
konfrontiert, die Erleichterungen wieder zu verlieren.
Robben Island diente von 1961 bis 1996 als Gefängnis. Heute ist die
ehemalige Gefangeneninsel eine Touristenattraktion, die stündlich vom knapp
12 km entfernten Kapstadt aus angefahren wird. Und sie ist ein Symbol: für
das Apartheitsregime Südafrikas und dafür, dass der Widerstand der
schwarzen Bevölkerung nicht länger zu unterdrücken war.
Buch und Regie: Frank Hertweck
Dienstag 27. März 2007, 23.30 Uhr, SWR Fernsehen
Von Majestäten und Wikingern. Der Geiranger Fjord und Thingvellir, Norwegen
und Island
Unter den Fjorden Westnorwegens nimmt der Geiranger einen besonderen Rang
ein. Wie kein anderer lockt der tief im Land zwischen hohen Bergen gelegene
Fjord seit weit über hundert Jahren Touristen an: Naturfreunde,
"Nordlandfahrer", wie einst der letzte Deutsche Kaiser, Wilhelm II., der
immer wieder mit seiner Yacht "Hohenzollern" hier aufkreuzte. Sie alle
ließen sich von einer Landschaft gefangen nehmen, die selbst Norwegens
Königin Sonja nicht anders als mit dem Wort "majestätisch" zu kennzeichnen
weiß. Sie tat dies in einem Gästebuch auf einem jener alten Bauernhöfe an
den Steilufern des Fjords. Die Höfe liegen meist auf hohen Klippen und sind
nur über steile Pfade zu erreichen. Bewirtschaftet wird heute keiner mehr,
die letzten wurden in der Mitte des vorigen Jahrhunderts verlassen. Zu
karg, zu mühselig und auch gefährlich war das Leben dort, in solch einer
Einsamkeit. Die Bewohner zog es fort von hier, viele bis nach Amerika.
Heute aber werden die Höfe vor dem Verfall geschützt, sie sind
wiederentdeckt worden. Als Kulturerbe.
Buch und Regie: Andreas Christoph Schmidt
Viel Vergnügen mit den Sendungen wünscht Ihnen:
Goggo Gensch
SÜDWESTRUNDFUNK
FS Kultur und Gesellschaft
Schätze der Welt - Erbe der Menschheit
Tel. +49(0)7221 / 929 4314
Fax +49 (0)7221 / 929 4385
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