Rettung für den Altar von St. Jakobus

Hilfe für die Dorfkirche von Rabenden: Einen Fördervertrag über 41.700 Euro überbringt am 2. Juli 2007 Peter-Christian von Taysen, Vorstandsvorsitzender der Baudenkmal-Stiftung München und Ortskurator der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD), um 15.30 Uhr an Ordinariatsrat Dr. Norbert Jocher im Erzbischöflichen Ordinariat München.
Die Fördermittel - eine großherzige Spende eines Ehepaares aus Bayern, welches dort zwar nicht mehr lebt, sich Bayern aber weiter verbunden fühlt - stehen für die dringend notwendige Konservierung und Restaurierung des spätgotischen Hochaltares der Dorfkirche von Rabenden im Landkreis Traunstein zur Verfügung.

Der um 1510/15 entstandene Hochaltar der kleinen katholischen Filialkirche St. Jakobus in Rabenden, einer kleinen Gemeinde im Landkreis Traunstein, ist eines der bedeutendsten spätmittelalterlichen Bildwerke Süddeutschlands. Nach diesem Flügelaltar ist der bis heute letztlich unbekannte, in ganz Oberbayern tätige Bildhauer "Meister von Rabenden" benannt. Über der Predella des knapp sechs Meter hohen Altares erhebt sich der Schrein mit sowohl einem festen als auch einem beweglichen bemalten Flügelpaar mit Darstellungen von Heiligen, Kirchenvätern und marianischen Themen. Den Altarschrein überfängt ein filigranes Gesprenge mit drei Fialen. Im Schrein stehen die Holzskulpturen des Kirchenpatrons Jacobus, flankiert von den Heiligen Simon und Judas Thaddäus.

Die Zartheit und Transparenz des ornamentalen Astwerks an den Baldachinen, den Schleierbrettern und im Gesprenge zeigen die hohe künstlerische Qualität. Die etwa 130 cm hohen Skulpturen aus Laubholz stellen eigenwillige Charaktere dar, deren fast derbe Gesichtszüge überaus ausdrucksstark und individuell sind. Jacobus mit Pilgerhut, Muschel und Stab hebt seinen Blick melancholisch und ruhig zum Himmel. Judas, dessen Haupt wildes Lockenhaar umrahmt, richtet seine Augen in höchster Leidenschaft nach oben, während Simon sich ruhig abwartend auf sein Marterwerkzeug, die Säge, stützt. Alle drei sind als stämmige Gestalten dargestellt, die fest auf den angedeuteten Erdschollen stehen. Die Figuren entsprechen dem Menschenbild der Dürerzeit, trotz aller Vergeistigung sind sie der Erde verhaftet. Ebenso wie die ein Jahrzehnt später entstandenen "Vier Apostel" von Albrecht Dürer verkörpern auch sie die Temperamente und die drei Lebensalter. Der Qualität des Figurenschmucks des Altares entsprechen auch die zwölf Tafelbilder und die Bilder der Predella, ebenfalls von einem unbekannten Meister.

Im Januar 2004 brach der rechte Drehflügel des bereits 1965 und 1979 durch Blitzeinschläge geschädigten Altares aus seiner Halterung und stürzte zu Boden. Dadurch entstand in einem Flügel ein großer Riss. Eine Konservierung und Restaurierung des bedeutenden Altares ist dringend notwendig.

Der Hochaltar ist eines von über 110 Denkmalen, die aus privaten Spenden und Mitteln der Lotterie GlücksSpirale von der DSD allein in Bayern gefördert werden konnten. Bundesweit stellte sie für über 3.200 bedrohte Denkmale mehr als 390 Millionen Euro zur Verfügung. Seit 2004 wird die DSD in München durch ein ehrenamtlich tätiges Ortskuratorium bei ihrer Arbeit unterstützt, das auch die Baudenkmal-Stiftung München, eine Treuhandstiftung in der Obhut der DSD, betreut. Das Ortskuratorium wirbt durch vielfältige Veranstaltungen und sammelt Spenden, insbesondere für bedrohte bayerische Denkmale.

Bonn, den 28. Juni 2007/Schi


Rettung für den Altar von St. Jakobus
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