Das in seiner unveränderten Gestalt und Ausstattung erhaltene Schösschen in Tegel gilt als erstes Museum in Berlin, in dem Humboldt seine Sammlung zugänglich machte.
Schloss Tegel ist ein von Karl Friedrich Schinkel 1820-24 umgebautes Herrenhaus aus dem 16. Jahrhundert. Das seit seiner Errichtung in Erbpacht vom Landesherren vergebene Gut ging 1766 an die Familie von Humboldt. 1796 fiel die ganz in der Nähe des Tegeler Sees gelegene Anlage mit Gastwirtschaft, Kornmühle, Fischereirecht und Weinbau an Wilhelm von Humboldt (1767-1835). Nach seinem Ausscheiden aus dem preußischen Staatsdienst wegen liberaler Gesinnung 1819 beauftragte er Schinkel mit dem Umbau des elterlichen Hauses.
Schinkel hatte die Aufgabe, angemessene Räume für die Kunstsammlung von Humboldt zu schaffen, an deren Erwerb dessen Frau Caroline einen großen Anteil hatte. Durch eine ununterbrochene, Humboldts Erbe verpflichteten Familientradition ist es seit mehr als 175 Jahren gelungen, die bauliche Substanz und die von Schinkel entworfenen klassizistischen Dekorationen und Ausstattungsdetails, vor allem aber die Sammlung der antiken und klassizistischen Gips- und Marmor-Kunstwerke in ihrer Einheitlichkeit zu bewahren. Bei dem Tegeler Schlösschen handelt es sich um das erste preußische Museum, das bis heute in Privatbesitz ist.
Die Aufteilung der Räume erlaubte eine eindrucksvolle Aufstellung der Kunstsammlung und zugleich ein kultiviertes Wohnen für die Humboldtsche Familie. Vor allem der einzigartige Antikensaal zählt zu den Höhepunkten im Inneren. Dieser 1824 fertiggestellte Saal ist das eigentliche Museum des Hauses und gilt als Vorläufer für das von Schinkel gebaute und unter Leitung von Humboldt eingerichtete sogenannte Alte Museum am Lustgarten.
Die Abgüsse der Kunstwerke waren wirkungsvoll vor grün marmorisierten Wandfeldern auf grau marmorierten, hölzernen und drehbaren Postamenten mit entsprechendem Seitenlicht aufgestellt. Die Exponate gehörten damals zu den bedeutendsten aus dem Altertum überlieferten Kunstwerken und waren auch interessierten Laien-Besuchern zugänglich. Die Studiensammlung von Gipsabgüssen enthielt hervorragende römische Marmorkopien nach hellenistischen Vorbildern. Das im Volksmund Humboldtschlösschen genannte Schloss Tegel ist bis heute Abbild eines Geistes geblieben, der sich hier als "Bildung durch Anschauung" mitteilt.
An der Restaurierung des Antikensaales beteiligte sich auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz mit 25.000 Euro. Das Schlösschen ist damit eines von bisher über 120 Denkmalprojekten, die die DSD allein in Berlin aus privaten Spenden und Mitteln der Lotterie GlücksSpirale mit über 12 Millionen Euro fördern konnte. Seit 2005 wird die Arbeit der Stiftung in Berlin von einem Kuratorium unter der Leitung von Georg Friedrich Ferdinand Prinz von Preußen unterstützt.
Bonn, den 13. September 2007/Schi
Deutsche Stiftung Denkmalschutz - Presse

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