Wiesbadens Bürger retten Weiherbrücke

Professor Dr. Gottfried Kiesow, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) und Carla Schulte-Kalms vom Ortskuratorium Wiesbaden der DSD überreichen am Donnerstag, dem 16. November 2006 um 10.00 Uhr im Wiesbadener Kurhaus einen Fördervertrag an Henning Wossidlo von den Kurbetrieben der Landeshauptstadt Wiesbaden.
Mit 50.500 Euro beteiligt sich die Stiftung an der Wiederherstellung der Brücke im Kurpark, für deren Rettung sich das Ortskuratorium bereits seit 2004 eingesetzt und um Spenden geworben hat. Damit stehen die benötigten Mittel von rund 85.000 Euro zur Verfügung, an denen sich auch die Bürgerstiftung Wiesbaden und das Landesamt für Denkmalpflege beteiligen. Beim Wiederaufbau der Brückenkonstruktion muss das Geländer überarbeitet, die Brückenauflager und die Böschungsvermauerung instand gesetzt und auch die Kurparkwege an den Brückenköpfe wieder angearbeitet werden.

Das Ortskuratorium Wiesbaden der Deutschen Stiftung Denkmalschutz hat sich seit 2004 für dieses stark verfallene Bauwerk im Wiesbadener Kurpark eingesetzt. Der erste Kurpark entstand 1810 bis 1812 durch den Hofgärtner Schweitzer und schloss sich unmittelbar an den Kurhausneubau an. Der Park erstreckt sich zwischen der Sonnenberger Straße und der Parkstraße vom Kurhaus zur Joseph-Lauff-Straße. Das Zentrum bildete der langgezogene Weiher, der von Bosketts und baumbepflanzten Rasenflächen umgeben war. 1836 wurde die Kurhaus- und Spielpacht mit der Auflage neu vergeben, den Garten zu erweitern und zu verschönern. Vermutlich entstand in diesem Zusammenhang die Weiherbrücke.

1855/56 veränderte der Biebricher Gartenbaudirektor Carl Friedrich Thelemann den ursprünglich als englischen Landschaftsgarten angelegten Park grundlegend, vergrößerte ihn und erschloss ihn durch ein irreguläres Wegenetz. Der Weiher wurde verkürzt und erhielt eine große Fontäne. Kähne, Gondeln und Eskimobarken und grottenartige Uferbefestigung luden die Besucher zu Ruderpartien ein. Künstliche Felsgruppen sowie Staffagebauten wie ein chinesischer Pavillon und ein maurischer Kiosk sorgten für Abwechslung. 1873 entstand ein Wasserfall auf der kleinen Insel und der zwischen Weiher und Kurhausrückseite gelegene Konzert- und Promenadenplatz erhielt eine Gaslaternenbeleuchtung. 1905 bis 1907 erfolgte der Neubau des Kurhauses und gleichzeitig eine Neugestaltung des Parkwegenetzes. Zu der Weiherinsel führt seit ihrer Anlage eine Bogenbrücke von 1838 als Eisenkonstruktion aus industriell vorgefertigten Profilen mit eingestelltem Flechtwerk aus geschmiedeten Eisenbändern. Das spätklassizistische Brückengeländer, das vermutlich um 1870 entstand, besteht aus vielfältigen geschmiedeten und gegossenen Teilen. Die Brücke ist unverzichtbarer Bestandteil des Kurparks, da sie die einzige Verbindung zu der die Anlage prägenden Insel darstellt.

Die Brücke ist eines von über 60 Denkmalen allein in Hessen, die die in Bonn ansässige private Denkmalschutz-Stiftung mit mehr als 25 Millionen Euro aus privaten Spenden und Mitteln der Lotterie GlücksSpirale fördern konnte. Professor Kiesow unterstützt die Bemühungen der Stadt um die Aufnahme auf die UNESCO-Welterbe-Liste aufgrund der reichen und geschlossenen Gründerzeitarchitektur. Seit 2001 ist in Wiesbaden ein ehrenamtliches Ortskuratorium der Stiftung unter der Leitung von Carla Schulte-Kalms tätig.

Bonn, den 15. November 2006/Schi
Pressemeldung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz

Wiesbadens Bürger retten Weiherbrücke
Im Romoe Restauratoren Netzwerk finden Sie Fach- und Sachinformationen zu Restaurierung und Konservierung von Restauratoren und Ihren Restaurierungsprojekten. Weiterhin erhalten Sie Infos zu den Themen Berufsbild Restaurator, über Produkte und Handel im Bereich Restaurierungsbedarf und Restauratorenbedarf.