Weserrenaissance in Einbeck gerettet

Fünf Jahre nach Beginn der Restaurierungen kann das Eickesche Haus in Einbeck am 2. September 2006 wieder eingeweiht werden. Im Rahmen eines Festaktes im Alten Rathaus wird um 11.00 Uhr der Abschluss der umfangreichen Bauarbeiten gefeiert.
Robert Stafflage und Martin Wehner als Vertreter der Stiftung Eickesches Haus begrüßen dazu Lutz Stratmann, Minister für Wissenschaft und Kunst des Landes Niedersachsen, Rudolf Hermes als stellvertretenden Landrat und Jürgen Renken, den Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Einbeck:

Die Sanierung des bedeutenden Baus der Weserrenaissance konnte 2001 mit der Gründung der Stiftung Eickesches Haus, die von namhaften Bürgern Einbecks ins Leben gerufen wurde, beginnen. Durch jahrelange Bauvernachlässigung war es zu einer erheblichen Schädigung der Fachwerksubstanz gekommen, so dass 1999 akute Notabstützungen erfolgen mussten. Dank der engagierten Stiftung und der finanziellen und ehrenamtlichen Hilfe vieler Bürger, privater und institutioneller Einrichtungen sowie der öffentlichen Hand konnten die Sanierungskosten von über 1.500.000 Euro zusammen gebracht werden.

Das Eickesche Haus, 1612 in der Zeit der Hochrenaissance erbaut, ist eines der stattlichsten Bürgerhäuser der Stadt Einbeck. Über dem Erdgeschoss des Fachwerkstockbaus liegt ein niedriges Zwischengeschoss sowie zwei Obergeschosse unter einem mächtigen, später abgewalmten Satteldach. Die Fassaden der Giebel- und Traufseite schmückt ein umfangreiches figürliches Bildprogramm. Es sind über 200 Zierschnitzereien mit figürlichen, szenischen und allegorischen Darstellungen, die hinsichtlich ihrer künstlerischen Qualität zu den reichsten Schöpfungen hölzerner Bauplastik Niedersachsens gehören. Dargestellt sind biblische und profane Figuren: Musen, Tugenden, die freien Künste und Planeten, Christus und die Evangelisten, die fünf Sinne, Krieger, Apostel und Hermen, Menschen- und Tierköpfe sowie Dämonen abwehrende Fratzen. Da das Gebäude bis 1875 verputzt war, wurde die reiche Bauplastik, die mit Ausnahme der Grundschwelle alle sichtbaren Fachwerkteile in den Vollgeschossen überzieht, erst 1888 wiederentdeckt. Das Eickesche Haus ist damit eines der bedeutendsten und einzigartigsten Zeugnisse für die Blütezeit der Fachwerk-Weserrenaissance.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz konnte 2002 die umfangreichen Bauforschungen und archäologischen Untersuchungen sowie die Instandsetzung des Erdgeschosses fördern, 2005 die Restaurierung der Holzschnitzerarbeiten der Fassaden, insgesamt flossen über 100.000 Euro. Seit 1991 hat die in Bonn ansässige private Denkmalschutz-Stiftung über 140 Projekte in Niedersachsen mit fast 9 Millionen Euro durch private Spenden und durch die Mittel der Fernseh-Lotterie GlücksSpirale unterstützen können. Insgesamt förderte die Stiftung seit ihrer Gründung 1985 bundesweit Maßnahmen an über 3.000 bedrohten Denkmalen mit mehr als 370 Millionen Euro.

Bonn, den 1. Sept. 2006/Schi
Pressemeldung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz
URL zur Meldung: http://www.denkmalschutz.de/presse/91770811/fullView


Weserrenaissance in Einbeck gerettet
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