Weitere Hilfe für Hamburgs Michel

Einen weiteren Fördervertrag der Deutschen Stiftung Denkmalschutz für die Sanierung der Hamburger Hauptkirche St. Michaelis überreichen am 11. Oktober 2006 um 12.30 Uhr ihr Geschäftsführer, Gerhard Eichhorn, und die für Hamburg zuständige Architektin, Annette Liebeskind, im Beisein von Dr. Klaus Röhrer, dem Ortskurator der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in Hamburg, an Dr. Axel Pfeifer, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Kirchenvorstandes und der Stiftung Michaelis. Damit stehen weitere 50.000 Euro für die notwendige Fassadensanierung zur Verfügung.
Zwischen 1648 und 1661 wurde der Vorgängerbau der St. Michaeliskirche in der planmäßigen Stadterweiterung Hamburgs, der Neustadt, als eine dreischiffige Halle mit Westturm errichtet, die 1750 durch Blitzschlag abbrannte. Auf ihren Grundmauern entstand in den Jahren 1751-62 einer der bedeutendsten protestantischen Kirchenbauten Deutschlands. Baumeister Johann Leonard Prey erbaute die Kirche unter Mitwirkung von Ernst Georg Sonnin. Sonnin schuf den kupferbekleideten Turmbau (1777-86), der als Michel durch seine markante Gestalt und seine Höhe von 132m als Wahrzeichen der Stadt gilt.

Im Jahr 1906 brannte die Kirche erneut ab und wurde 1907-12 von Julius Faulwasser, der kurz zuvor die Kirche dokumentiert hatte, zusammen mit Hermann Geißler und Emil Meerwein rekonstruiert. Er verwendete dabei auch neue Bautechniken, wo es möglich war: Beton für die Hauptgesimse, der Dachstuhl als Stahlkonstruktion. Das spätbarocke Äußere ist bestimmt durch die Verwendung der drei Hauptbaustoffe Backstein, Sandstein und Kupfer. Das Wandsystem bilden ionische Kolossalpilaster auf hohem Sockel und unter mächtigem Gebälk und Mansardwalmdach. Die Querhausfronten und die Hauptfassade sind mit aufwendigen Säulenportalen gestaltet. Das 1907-12 anstelle eines einfachen Eingangs gestaltete Turmportal wird bekrönt von der Bronzefigur des Erzengels Michael von August Vogel.

Das Innere zeigt im Prinzip die Struktur einer dreischiffigen Halle mit Kreuzarmen und damit den traditionellen Typus. Dieser Raum wird kunstvoll gestaltet durch die geschwungene, vor die Pfeiler vortretende und verbindende Empore, die in das architektonische Gefüge einen zentralisierten Einheitsraum einstellt, wie es dem neuen Anliegen des protestantischen Kirchenbaus im 18. Jahrhundert entspricht. Rekonstruiert wurde bis 1912 auch die Ausstattung, die allerdings noch gesteigert wurde. Zur Verwendung kamen vorwiegend edelste Materialien wie Marmor, Teakholz und Mosaiken.

Im 2. Weltkrieg wurden die Gewölbe der Kirche stark zerstört, die Wiederherstellung erfolgte bis 1958. Hierbei wurde der Deckenstuck wieder reduziert, der Raum aber durch farbige Abtönungen und Vergoldungen an Emporen und Stuck anders interpretiert.

Die Hauptkirche St. Michaelis in der Hamburger City zählt seit 2005 zu den Förderprojekten der Bonner Denkmalschutz-Stiftung. Sie ist damit eines von bisher 16 Projekten, das die private Stiftung allein in Hamburg mit Hilfe von privaten Spenden und mit Mitteln der Lotterie GlücksSpirale fördern konnte. Die in Bonn ansässige Deutsche Stiftung Denkmalschutz ist seit 1991 Destinatär der Lotterie GlücksSpirale. Bundesweit konnte sie bisher über 370 Millionen Euro für den Erhalt von mehr als 3.000 Denkmalen zur Verfügung stellen.


Bonn, den 10. Oktober 2006/Schi
Pressemeldung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz
URL zur Meldung: http://www.denkmalschutz.de/presse/99470389/fullView

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