Das Fürstenhaus diente vermutlich als dienstlicher Wohnsitz für hochgestellte Hofbeamte. Nach 1751 war darin eine Seidenmanufaktur untergebracht, später wurde es als Wohn- und Geschäftshaus genutzt. Obwohl das Gebäude erst unter Christoph Pitzler zur Ausführung kam, ist die Urheberschaft des Entwurfs eher Johann Moritz Richter dem Jüngeren zuzuschreiben, der auch das Weißenfelser Schloss errichtete.
Das Palais ist als dreiflügelige Anlage mit abschließendem Galerieflügel angelegt. Das zweieinhalbgeschossige Gebäude mit hohem Walmdach hat eine repräsentativ gestaltete Fassade. Ionische Doppelpilaster, verkröpfte Gesimse, ein erkerartiger Mittelrisalit mit Dachaufbau sowie eine seitliche Durchfahrt mit Figuren von Mars und Merkur als Schilderhalter setzen besondere Akzente. Das Erdgeschoss dient gleichsam als Sockel für die Belle Etage.
m Innern befinden sich zahlreiche reich gegliederte und ornamentierte Stuckaturen. Besonders bedeutend ist die Neun-Felder-Decke im Mittelsaal des ersten Obergeschosses, dem sogenannten Festsaal, die nach dem Vorbild der Decke im Banqueting House des Londoner Whitehall-Palace um 1680 ausgeführt wurde. Zentrum ist eine gemalte Darstellung des Herkules als Gebieter über Krieg und Frieden, in den übrigen Feldern sind die vier Jahreszeiten und die vier Elemente dargestellt. Die sehr plastischen floralen und ornamentalen Stuckarbeiten der Decke und der Wandgliederung stammen vermutlich von Giovanni Caroveri. Die übrigen Stuckarbeiten in den Nebenzimmern datieren vermutlich aus der Zeit um 1700/1710 und werden dem Umfeld der Familie Castelli zugeschrieben.
Das Gebäude war ab 1992 unbewohnt und wird seit 2004 restauriert. Die statische Sicherung einschließlich der Verstärkung der unterdimensionierten Deckenbalken durch Stahlprofile war bis Mitte 2005 abgeschlossen. Es folgten die Sanierung des Dachstuhls und die neue Eindeckung sowie die Wiederherstellung der Schieferdeckung des Erkers am Vorhaus. Selbst die Schneefanggitter aus kupfernen Palmetten konnten entsprechend der historischen Vorlage wiederhergestellt werden. Die Instandsetzung des für Weißenfels wichtigen Baus wurde möglich durch erhebliche Mittel vom Landkreis, der Städtebauförderung und EFRE-Mitteln. Für die Sicherungsarbeiten an Haupt- und Nebengebäuden hat auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz seit 2004 300.000 Euro zur Verfügung gestellt. Damit ist das Fürstenhaus eines von 446 Förderprojekten der Bonner Stiftung, das aus privaten Spenden und aus Mitteln der Lotterie GlücksSpirale allein in Sachsen Anhalt Hilfe erfahren konnte. Bundesweit konnte die Stiftung seit ihrer Gründung 1985 bereits über 3.000 bedrohte Baudenkmale mit mehr als 370 Millionen Euro retten helfen.
Bonn, den 1. Dezember 2006/Schi
Pressemeldung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz

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