Voraussichtlich im Dezember 2007 wird in dem Gebäude außerdem eine Gedenk-, Bildungs- und Begegnungsstätte in Erinnerung an Willy Brandt eröffnet. Anlässlich des Richtfests überreichen Gerhard Eichhorn, Geschäftsführer der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, und Annette Liebeskind als für Lübeck zuständige Projektarchitektin einen Fördervertrag für die bauliche Instandsetzung der Geschossebene für das Denkmalschutzamt. 330.000 Euro stehen damit für akute Sicherungsarbeiten ebenso wie für die restauratorischen Voruntersuchungen und Instandsetzungsarbeiten zur Verfügung.
Das Gebäude befand sich seit 1479 im Besitz der exklusiven Junker- und Zirkelkompanie. 1580-84 errichtete man es unter Beibehaltung der ursprünglichen Brandwände mit der typischen Aufteilung mit Vorderhaus und einem Seitenflügel neu. Kurz vor der Auflösung der Kompanie 1777/79 wurde das Amtshaus umfassend umgebaut. Seither präsentiert es sich bis heute als ein zweieinhalbgeschossiges Giebelhaus mit einer noblen fünf achsigen Putzfassade im Zopfstil. Das Erdgeschoss ist flach rustiziert und wird durch einen angedeuteten einachsigen Mittelrisalit und Ecklisenen gegliedert. Der horizontale Abschluss erfolgt durch eine Galerie über dem Kranzgesims. Der angedeutete Giebel über der Mitte zeigt eine Gruppe allegorischer Figuren: Friede und Eintracht mit dem Wappen der Korporation. Die Plastiken stammen von Dietrich Jürgen Boy, einem hervorragenden Bildhauer der Zeit, von dem auch die Figuren der Puppenbrücke stammen. Über den Ecklisenen stehen zierliche Architekturvasen. Die stichbogigen Obergeschossfenstern werden von aufgelegten Ohrenrahmen eingefasst. Im Erdgeschoss öffnet sich der Bau durch ein Pilasterportal aus Sandstein. Über den Stufen in die Tiefe des Eingangs zurückgezogen, sitzt die schön geschnitzte Doppeltür. Das Bogenfeld über der Tür füllt eine ebenfalls Boy zugeschriebene Büste.
Der Charakter des Hauses wird im Inneren durch eines der stattlichsten Treppenhäuser Lübecks bestimmt. Spätere Um- und Einbauten führten zu Verlusten beim Deckenstuck, Reste der Ausstattung und Struktur der Zeit des Zopfstils sind noch erkennbar.
Das Gebäude ist damit eines von bisher 27 Denkmalen, die die private Denkmalschutz-Stiftung allein in Lübeck mit Hilfe von privaten Spenden und mit Mitteln der Lotterie GlücksSpirale fördern konnte. Die in Bonn ansässige Deutsche Stiftung Denkmalschutz ist seit 1991 Destinatär der GlücksSpirale. Bundesweit konnte die 1985 gegründete Stiftung bisher über 370 Millionen Euro für den Erhalt von mehr als 3.000 Denkmalen zur Verfügung stellen.
Bonn, den 10. Oktober 2006/Schi
Pressemeldung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz
URL zur Meldung: http://www.denkmalschutz.de/presse/99446649/fullView

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