Gemeinsam mit Carla Schulte-Kalms vom Ortskuratorium Wiesbaden und Dr. Karin Gehrmann, der zuständigen Projektreferentin der Stiftung für Hessen, verschaffte sich Kiesow einen Eindruck von der Qualität der Sanierungsarbeiten.
Die DSD förderte den bedeutenden neogotischen Kirchenbau am Markt, gegenüber dem Landtag, damit seit 2000 mit über 555.000 Euro. Der 1862 eingeweihte Kirchenbau wurde nach den Plänen des Nassauischen Oberbaurates Carl Boos ganz im romantischen Stil errichtet. Die turmreiche Silhouette prägt das Bild der Altstadt und dokumentiert den Ausbau der Stadt zu einer der vielbesuchten preußischen Kur- und Badestädte. Gemeinsam mit Schinkels Werderschen Kirche in Berlin gilt die Marktkirche in Wiesbaden als bedeutendes Bauwerk des romantischen Historismus in Deutschland. Die dreischiffige Basilika besitzt eine dominierende Turmgruppe, die sich aus zwei Chortürmen und drei gestaffelten Westtürmen mit Spitzhelmen zusammensetzt. Die Fassaden sind in der Fernwirkung durch schlanke, hohe Spitzbogenfenster mit Maßwerk streng gegliedert, erst bei Nahsicht erschließt sich der ornamentale Reichtum. Alterung und Witterungs- sowie Umwelteinflüsse hatten an den Klinkerfassaden starke Schäden hervorgerufen. Durch herabfallende Sandstein- und Terrakottateile bestand erhöhte Unfallgefahr. Die Steine wurden im Jos-Verfahren gereinigt, die ausgewaschenen Fugen nachverputzt, stark geschädigte Terrakotta-Teile gegen nachgebrannte ausgetauscht. Die Sanierung steht kurz vor dem Abschluss.
Zur Gesamtgemeinde gehört auch die Ringkirche. Als aufgrund des starken Bevölkerungswachstums seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Wiesbaden enorm anwuchs, entstanden zwischen 1890 und 1900 umfangreiche Stadterweiterungen, insbesondere im Bereich der Ringstraße. Von 1892 bis 1894 entstand nach den Plänen des Berliner Architekten Johann Otzen auch die Evangelische Ringkirche, ein steinsichtiger Bau aus Pfälzer Sandstein in neoromanischen Formen. Dominierend ist die durch Gesimse, Blendarkaden, ein Radfenster, Lisenen und ein vorgezogenes Stufenportal gegliederte Doppelturmfassade.
Die beiden Kirchen sind zwei von über 60 Denkmalen allein in Hessen, die die in Bonn ansässige private Denkmalschutz-Stiftung mit mehr als 25 Millionen Euro aus privaten Spenden und Mitteln der Fernseh-Lotterie GlücksSpirale fördern konnte. Professor Kiesow unterstützt die Bemühungen der Stadt um die Aufnahme auf die UNESCO-Welterbe-Liste aufgrund der reichen und geschlossenen Gründerzeitarchitektur.
Bonn, den 27. Oktober 2006/Schi
Pressemeldung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz
URL zur Meldung: http://www.denkmalschutz.de/presse/93341445/fullView

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