1. Preisträger
Eva Zimmermann
Bauhaus-Uni Weimar
Objekt: Kirche in Molmeck
2. Preisträger
Daniel Drewlani, Remo Wüst
Bauhaus-Uni Weimar
Objekt: Stadtkirche St. Nikolai, Eilenburg
3. Preisträger
Ines Grübel, Carolin Herzog
Hochschule Karlsruhe
Objekt: Radfahrerkirche Thurau
Laudatio für die besten drei Entwürfe:
1. Preisträger
Eine Jugendbegegnungsstätte für die Kirche in Molmeck
Die beiden Entwurfsverfasser schlagen vor, in der Kirche von Molmeck, einem Ortsteil von Hettstedt im Mansfelder Land, eine Jugendbegegnungsstätte einzurichten. Die historistische Kirche des Baumeisters Fahro bot durch ihre zweigeschossige Anlage dafür eine günstige Ausgangssituation, die von den Verfassern geschickt aufgegriffen wurde. Im unteren Bereich befand sich einst die Pfarrwohnung. Die Einrichtung eines Bettenkomplexes im Erdgeschoss ist daher baulich konsequent und folgt behutsam der vorhandenen Substanz. Durch geschickte Raumausnutzung entstehen hier 30 Übernachtungsmöglichkeiten, gerade genug, um einer Schulklasse oder einer Wandergruppe als Herberge zu dienen.
Der Kirchenraum im Obergeschoß bleibt in seiner Substanz unangetastet. Er kann künftig für unterschiedliche Aktivitäten genutzt werden: Jugendmusik, Theater oder Malwettbewerbe. Vielfältige Veranstaltungsmöglichkeiten ergänzen so die althergebrachte Nutzungsmöglichkeit, die Zusammenkunft der Gemeinde zum Gottesdienst. Durch einen schmalen Verbindungstrakt wird ein kleines zugehöriges Nachbargebäude angeschlossen. Als Wirtschaftsgebäude enthält es Versorgungs- und Essraum für die übernachtenden Gruppen.
Neben der Wirtschaftlichkeit und der funktionalen Erfüllung aller Anforderungen hat die Jury die Herangehensweise der Verfasser überzeugt. Sie haben in vorbildlicher und beispielhafter Weise eine innovative Idee für ein neues Leben in alten Kirchen entwickelt. Ausgangspunkt für die Verfasser war eine Analyse nicht nur der Bausubstanz. Sie haben zunächst die Situation des Ortes und der Region sehr genau untersucht. Die so gewonnenen Erkenntnisse waren dann die Basis für das daraus entwickelte Konzept. Gespräche mit den Menschen am Ort wiesen den Weg. Die scheinbar von Perspektivlosigkeit geprägte wirtschaftsschwache Region bekommt einen Anker gerade für Jugendliche, die sich hier von Nah und Fern begegnen können. Dieser Ort kann wieder das werden, als was er gedacht war: Mittelpunkt und Treffpunkt in einem. So schafft dieser Entwurf mehr, als eine bloße Umnutzung von Kirchen. Er bietet die Möglichkeit der Schaffung einer neuen lebendigen Ortsmitte mit einer Option in die Zukunft.
2. Preisträger
Stadtkirche St. Nikolai Eilenburg
Der Planungsaufgabe, die auf die Anfänge des 15. Jahrhunderts zurückreichende Stadtkirche St. Nikolai in Eilenburg als öffentlichen Raum zur Kommunikation und für kulturelle Veranstaltungen zu nutzen, kommt der vorgelegte Entwurf in bestechend schlichter und funktionaler Weise nach.
Eine in ihren Formen minimalistisch gestaltete und frei auf eine eigenständige Rahmenkonstruktion in den Kirchenraum eingestellte Galerie verbindet die nur eingeschränkt oder gar nicht zugänglichen Räumlichkeiten der Ratsherrenstube und Fürstenloge funktional miteinander und ermöglicht zugleich die Erschließung des westlich vorgelagerten Kirchturmes, für dessen zukünftige Nutzung zwei Planungsvarianten unterbreitet werden.
Die vorgeschlagenen Nutzungen der neu erschlossenen Räume als Kirchenbücherei, Kirchencafe sowie Kircheninformation, Proberaum oder für Ausstellungen sind in sich schlüssig und ohne weiteres umsetzbar. Die Fürstenloge ermöglicht in ihrem Charakter als kontemplativer Raum zugleich die funktionale Einbeziehung in das Geschehen im derzeit als Gemeinderaum genutzten Chorbereich. Dieser wird als separierter Gottesdienstraum durch eine durchgängige, zu öffnende Glasabtrennung in seiner ganzen Dimension vom Kirchenschiff aus erlebbar gemacht.
Beide für den Turmausbau vorgeschlagenen Entwurfsvarianten stellen gut durchdachte und schlüssige Lösungen dar. Steht in der Entwurfsvariante 1 in ihrer freien Treppenführung das Raum-erlebnis der historischen Turmarchitektur im Vordergrund, lässt die Entwurfsvariante 2 in der Ausbildung von sechs Geschossen eine bessere Raumnutzung zu. Ein durchgängiges Sicherheits-treppenhaus erschließt, von einer Glaswand getrennt, die jeweiligen Geschosse und lässt dennoch die räumlichen Dimensionen des Turmes erfahrbar werden. Die ergänzend vorgeschlagene Integration eines frei vor die Turmwände eingestellten Aufzuges erscheint möglich.
Die Entwurfsvariante 1 besticht durch ihre raumkünstlerische Gestaltung der Treppenerschließung, die in ihrer offenen Führung im Turm ein beeindruckendes Raumerlebnis verspricht. Einen spannungsvollen Kontrast zur offenen Treppenführung bilden zwei kubisch umschlossene Galerieräume, die als Ausstellungsräume genutzt werden können. Inwieweit die im Entwurf formulierten räumlichen Qualitäten brandschutz-technischen Aspekten genügen bliebe zu prüfen.
Das vorgelegte städtebauliche Konzept zur Verbesserung des unmittelbaren Umfeldes der Stadtkirche findet die Zustimmung der Jury. Wenngleich der vorgeschlagene Neubau eines Gemeindehauses aus städtebaulichen Gründen berechtigt und an der vorgeschlagenen Stelle sinnvoll erscheint, ist nach Auffassung der Jury ein solcher funktional nicht zwingend erforderlich, da dass für den Kirchenbau vorgeschlagene Nutzungskonzept für sich tragfähig ist. Zu würdigen ist darüber hinaus die dem Entwurf angemessene schlichte und dennoch sehr ansprechende Plandarstellung sowie das in seiner handwerklichen Ausführung höchst qualitätsvolle Kirchenmodell mit seinen Einbauten.
3. Preisträger
Kirche Thurau (bei Köthen)
Der Entwurf schlägt eine Nutzung der Kirche inmitten eines Netzes von Radwanderwegen als "Radfahrerkirche" vor. Sechs kompakte Übernachtungslauben und ein kleines Ausflugslokal für einen Betrieb von Frühjahr bis Herbst sollen den Kirchenbau ergänzen. Eine gemeinsame Vermarktung durch ein neues Logo ist vorgesehen. Die baulich unveränderte Kirche (für gelegentliche Gottesdienste, Ausstellungen, Chorproben und Jugendgruppen) wird vor der Südwand durch einen Küchen-pavillon mit Sonnenterrasse ergänzt, der nördlich angrenzende Kirchhof durch sechs locker zwischen dem alten Baumbestand gruppierten Unterkunftsgebäude mit Nasszelle und eingeschobenem Fahrradschuppen neu gegliedert.
Den Entwurfsverfassern gelingt es, ohne Eingriffe in die Substanz der Kirche dieser neues Leben einzuhauchen und mit den maßstäblich untergeordneten, gleichwohl ausdrucksstarken Pavillons für Gastronomie und Beherbergung Angebote für die Bedürfnisse von Ausflüglern zu schaffen, die den Charakter des Kirchhofs mit dem ihn dominierenden Sakralbau nicht beeinträchtigen. Zugleich wird dem Kirchenbau dadurch eine zusätzliche Nutzungsmöglichkeit eröffnet.
Die Jury hat die selbst auferlegte Zurückhaltung in der Formensprache der hinzugefügten Neubauten überzeugt, die der Kirche nicht nur die Dominanz belassen sondern sie zugleich durch die intensivere Art der Nutzung einbeziehen in ein realistisch erscheinendes und zukunftsweisendes Erhaltungs-konzept. Die Aussagen zu den erforderlichen Restaurierungs-maßnahmen am Kirchenbau bedürfen allerdings der Überprüfung und Anpassung an die tatsächlichen Erfordernisse, die mit den denkmalpflegerischen Anforderungen in Einklang gebracht werden müssten.
Leipzig, 28. Oktober 2006
Ansprechpartner für die Presse:
Stefan Luig
Tel.: +49 (0) 341 / 6 78 - 81 94
Fax: +49 (0) 341 / 6 78 - 81 82
E-Mail: s.luig[at]leipziger-messe.de
Internet: http://www.denkmal-leipzig.de

Im
Romoe Restauratoren Netzwerk finden Sie Fach- und Sachinformationen zu
Restaurierung und
Konservierung von Restauratoren und Ihren Restaurierungsprojekten. Weiterhin erhalten Sie Infos zu den Themen Berufsbild Restaurator, über Produkte und Handel im Bereich
Restaurierungsbedarf und Restauratorenbedarf.