HANDBUCH DER KUNSTWISSENSCHAFT
DIE DEUTSCHE MALEREI
VOM AUSGEHENDEN MITTELALTER
BIS ZUM ENDE DER RENAISSANCE
VON
DR. FRITZ BURGER, DR. HERMANN SCHMITZ,
DR. IGNAZ BETH
III.
OBERDEUTSCHLAND IM XV. UND XVI. JAHRH.
VON
PROFESSOR DR. HERMANN SCHMITZ
KUSTOS AM STAATLICHEN KUNSTGEWERBE-MUSEUM. BERLIN
EINGELEITET VON DR. JUR. ET PHIL. IGNAZ BETH
11.-14. TAUSEND

WILDPARK.POTSDAM
AKADEMISCHE VERLAGSGESELLSCHAFT ATHENAION M. B. H.
COPYRIGHT 1924 BY
AKADEMISCHE VERLAGSGESELLSCHAFT ATHENAION M.B.H.
WILDPARK-POTSDAM
OHLENROTH`SCHE BUCHDRUCKEREI ERFURT
DIE DEUTSCHE MALEREI
VOM AUSGEHENDEN MITTELALTER
BIS ZUM ENDE DER RENAISSANCE
VON
DR. FRITZ BURGER, DR. HERMANN SCHMITZ,
DR. IGNAZ BETH
III.
OBERDEUTSCHLAND IM XV. UND XVI. JAHRH.
VON
PROFESSOR DR. HERMANN SCHMITZ
KUSTOS AM STAATLICHEN KUNSTGEWERBE-MUSEUM. BERLIN
EINGELEITET VON DR. JUR. ET PHIL. IGNAZ BETH
11.-14. TAUSEND

WILDPARK.POTSDAM
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OHLENROTH`SCHE BUCHDRUCKEREI ERFURT
DIE ÜBERGANGSZEIT UM 1450-1460 (IX) : Die oberdeutsche Malergeneration des zweiten Drittels des 15. Jhhs., an deren Spize Witz Multscher, der Spielkartenmeister, der Meister des Tucherschen Altares u. a. standen, hat die ideale verklärende, dekorative Stilrichtung der voraufgehenden Zeit überwunden und den Weg zur Darstellung der im Lichte scheinenden körperhaft-räumlichen Welt gefunden.
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Wie am Niederrhein der Meister des Marienlebens (Bd. 11, S. 438) am Anfang der sechziger Jahre den Stil der nach-eyckschen flandrischen Malergeneration, des Roger van der Weyden und des Dirk Bouts einführt:
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Das Kunstleben Oberdeutschlands in der fraglichen Zeit ist ein Spiegelbild der politischen Zustände dieser deutschen Kernlande unter Friedrichs III. Regierung (1440-1493).
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Ober- und Mittelrhein. Eine natürliche Einfallspforte des niederländischen Einflusses scheint das an das burgundische Herzogtum grenzende Elsaß gewesen zu sein.
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Auch auf die Kunsttätigkeit in der Nordschweiz hat die Kunst des Meisters E S eingewirkt; ist doch sein Hauptstich, die Madonna von Einsiedeln von 1466 in spätgotischem maßwerkverziertem Chorgehäuse, ein Wallfahrtsblatt dieses Schweizer Klosters gewesen.
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In der Handschriftenillustration, die ja auf die Kupferstichkunst von Einfluß war, stehen wiederum die oberrheinisch-schwäbischen Landschaften an erster Stelle, und auch auf diesem Gebiete beobachten wir um 1450-1460 den Umschwung zum naturalistischen spätgotischen Stil unter der Führung des Meisrers E S.
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Mit dem Stil der Federzeichnung hängt aber ferner der Holzschnitt zusammen, der jetzt zwischen 1460 und 1470 in das gedruckte Buch seinen Einzug hält und mit diesem zugleich die geschriebenen und gemalten Handschriften allmählich in den Hintergrund drängt.
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Der bedeutendste Meister der oberrheinisch-eslässischen Schule, Martin Schongauer in Kolmar, ist nicht nur für die Stilentwicklung am Oberrhein, sondern in ganz Oberdeutschland von entscheidendem Einfluß gewesen.
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Unter den weiteren, dem Schongauer zugeschriebenen Tafelbildern sind voranzustellen zwei schmale Flügel eines Altares aus der Antoniterpräzeptorei in Isenheim, jetzt im Kolmarer Museum, der hl. Antonius mit dem Stifter, Maria mit dem Kinde und rückseits die Verkündigung. Aus der Dominikanerkirche in Kolmar stammt die Folge von Passionsszenen im Kolmarer Museum, die aber im wesentlichen Gesellenarbeit ist; nur die Abnahme vom Kreuz und die Kreuzigung zeugen nach Waagen, dem Altmeister der Forschung auf dem Gebiete der oberdeutschen Malerei, für eigenhändige Mitarbeit.
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Dem Schongauer in seiner graphischen Tätigkeit gleichkommend an Fruchtbarkeit und künstlerischer Bedeutung ist sein in Schwaben und am Mittelrhein tätiger Zeitgenosse, der Meister des Hausbuchs.
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Die Zeichnungen des Hausbuches in brauner Tinte, mit Wasserfarben teilweise leicht angetuscht, geben ein köstlich getreues Bild des oberdeutschen Lebens dieser Zeit. Es herrscht darin eine jugendliche Frische und eine kindlich frohe Freude am Dasein, ein von leichtem Humor durchsetzter unbefangener Geist der Erzählung, wie er sich lebhaft von dem ängstlich Gebundenen der kirchlichen Tafelmalerei unterscheidet.
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Viele Gründe sprechen dafür, daß unser schwäbischer Meister im Verlauf der achtziger Jahre nach dem Mittelrhein, wahrscheinlich nach Mainz übergesiedelt ist. Im Jahre 1480 bereits liefert er eine Zeichnung für den Kanzler von Dalberg in das Matrikelbuch der Universität Heidelberg; um 1482-83 schafft er die Zeichnungen zu den Holzschnitten im Spiegel menschlicher Behaltnis, der bei Drach in Speier erschien.
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Die besten Schöpfungen seiner Werkstatt sind der Kalvarienberg aus Speyer (Abb. 60), nebst den Flügeln mit zwei lebhaften Passionsszenen in das Freiburger Museum gelangt, ausgezeichnet durch die Fülle aus dem Leben gegriffener Figuren, die Passionsgruppe mit kniendem Stifter in der Galerie in Darmstadt (Abb. 59), die Beweinung Christi in Dresden, das Liebespaar in dem Herzoglichen Museum in Gotha um 1500 (Taf. XXXIVa) und einige Tafeln aus dem Marienleben, z. B. die Anbetung der Könige in der Gemäldegalerie in Mainz, eine erst 1505 in seiner Werkstatt entstandene Folge.
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